Auf keinem Kontinent brennt so viel Land wie in Afrika: Rund 70 Prozent der weltweit jährlich verbrannten Fläche entfallen auf die Savannen und Grasländer nördlich und südlich des Äquators. Umso bemerkenswerter ist, was Satelliten dort seit zwei Jahrzehnten aufzeichnen – die Brandflächen werden nicht größer, sondern kontinuierlich kleiner. Ein Forschungsteam der Chinesischen Akademie der Wissenschaften hat dafür nun eine Erklärung vorgelegt, die weniger mit dem Thermometer als mit dem Kalender zu tun hat.

Für die Studie im Fachblatt „Geophysical Research Letters" verknüpften die Forschenden um Xiyan Xu, Erstautor ist der Doktorand Sharafaldin Mohammed, tägliche Niederschlagsmessungen aus drei voneinander unabhängigen Datensätzen der Jahre 1990 bis 2023 mit Satellitendaten zu Brandflächen und Feuerherden von 2003 bis 2022. Bisherige Untersuchungen fragten meist, wie viel Regen im Jahr fällt. Die entscheidende Größe, zeigt die Auswertung, ist jedoch, wann er fällt.

Denn die Trockenzeit ist auf dem gesamten Kontinent kürzer geworden, vor allem weil sie später einsetzt: nördlich des Äquators pro Jahrzehnt um etwa 1,75 Tage, südlich davon um rund 0,4 Tage. Verantwortlich ist zusätzlicher Regen genau in jener Übergangsphase, in der Böden und Gräser sonst austrocknen. Sie bleiben länger feucht, und das Zeitfenster, in dem sich Feuer großflächig ausbreiten können, schrumpft. Am deutlichsten fallen die Rückgänge in den Hauptbrandmonaten aus – im Dezember nördlich, im August südlich des Äquators. Nach Darstellung der American Geophysical Union verbrennen dadurch Jahr für Jahr Millionen Acres weniger Land, also mehrere tausend Quadratkilometer.

Im Süden wirken andere Kräfte

Gleichmäßig ist der Effekt nicht. In Nordafrika ist der Zusammenhang zwischen kürzerer Trockenzeit und kleinerer Brandfläche klar ausgeprägt, im südlichen Afrika deutlich schwächer. Dort dürften andere Entwicklungen mitspielen: Ackerbau, Straßen und Siedlungen zerschneiden die einst zusammenhängende Vegetation, über die sich Feuer weit tragen konnten, hinzu kommt organisiertes Brandmanagement.

Die Autoren benennen auch Grenzen ihrer Analyse. Kleine Feuer entgehen den Satelliten, die tatsächliche Brandaktivität dürfte also unterschätzt sein; zwischen natürlich entstandenen und absichtlich gelegten Feuern unterscheiden die Daten nicht. Und global gilt weiterhin: In vielen Regionen schaffen Hitzewellen und Dürren bessere Bedingungen für Feuer.

Praktischen Nutzen hat der Befund trotzdem. Viele Vorhersagesysteme stützen sich bislang auf Jahresniederschlag, Temperatur und Dürreindizes. Wer stattdessen den Rhythmus des Regens beobachtet, kann Feuersaisons früher und genauer abschätzen – und Löschkräfte, Material und Warnungen dort bereithalten, wo sie in den kommenden Monaten gebraucht werden.