Astronominnen und Astronomen haben in 73 Lichtjahren Entfernung etwas gefunden, das sie nicht recht benennen können. Es ist mindestens so schwer wie Jupiter. Es umkreist einen Braunen Zwerg – ein Objekt, zu massereich für einen Planeten und zu leicht, um als Stern zu zünden –, und dieser Braune Zwerg wiederum umläuft einen Stern von etwa der halben Sonnenmasse. Drei Stufen, und für die unterste passt keines der Wörter, die für unser eigenes Sonnensystem geprägt wurden.
Das Team hinter dem Nachweis, veröffentlicht am 22. Juli in »Nature«, hat sich auf »Exosatellit« verständigt. Ein Exomond ist es nicht, denn es umkreist keinen Planeten; ein Exoplanet ebenso wenig, denn es umkreist keinen Stern. »Als drittes Rad in diesem System möchte man es einen Mond nennen, auch wenn es nichts mit den kleinen, felsigen Monden bei uns zu tun hat«, sagt Erstautor Kevin Hoy, Student an der Europäischen Südsternwarte in Chile und zugleich an der Universidad Diego Portales sowie am Millennium Nucleus YEMS.
Wie man einen Mond in 73 Lichtjahren Entfernung wiegt
Bedeutsam ist der Fund ebenso sehr wegen der Methode wie wegen des Objekts. Seit die ersten beiden Exoplaneten 1992 bestätigt wurden, sind mehr als 6000 katalogisiert – Monde um sie herum blieben jedoch unerreichbar, und die wenigen Kandidaten stützen sich auf dünne Belege. Hoys Gruppe nahm die von der Planetensuche bekannte Radialgeschwindigkeitsmethode und richtete sie dorthin, wo es zuvor niemand versucht hatte: auf den Braunen Zwerg selbst. Weil sich dieser Begleiter getrennt von seinem Stern abbilden lässt, konnte der Spektrograf CRIRES+ am Very Large Telescope das Wackeln in dessen eigenen Spektrallinien verfolgen. Zwischen Oktober 2023 und Februar 2026 kamen 23 hochwertige Beobachtungen zusammen; die anschließenden Simulationen deuteten auf einen einzelnen Begleiter auf einer ovalen Bahn mit 170 Tagen Umlaufzeit.
Nicht alle lesen das System gleich, und die Forschenden scheinen daran Gefallen zu finden. Mary Anne Limbach von der University of Michigan, nicht an der Arbeit beteiligt, hält »Satellit« für den weiter gefassten Begriff, auf den sich das Fachgebiet zubewegt. Andere lehnen die Deutung rundheraus ab: Nader Haghighipour vom Planetary Science Institute sieht schlicht drei substellare Körper und keinerlei Satelliten, während Roman Rafikov von der University of Cambridge Stern und Braunen Zwerg als Doppelsystem auffasst – womit das neue Objekt einfach ein Planet um eine der beiden Komponenten wäre.
Hoy begrüßt den Streit und nennt das System einen guten Prüfstein dafür. Der Stern sei eindeutig ein Stern, der Braune Zwerg eindeutig ein Brauner Zwerg; erst das dritte Objekt, zu groß für einen offensichtlichen Mond, mache sichtbar, wie unscharf die Grenze zwischen einem Mond und einem Doppelplaneten verläuft. Weitere Daten könnten die Frage klären – oder zeigen, dass der Körper schwerer ist als die bisherige Untergrenze von rund 0,9 Jupitermassen und, wie seine Größe nahelegt, überwiegend aus Gas besteht statt aus Gestein, Eis oder Metall.