Am Sonntagnachmittag schwebte eine Sojus-Kapsel an ihrem Fallschirm in die kasachische Steppe südöstlich von Dscheskasgan, und drei Menschen, die seit November nicht mehr auf der Erde gewesen waren, betraten sie wieder. Der NASA-Astronaut Chris Williams und die Roskosmos-Kosmonauten Sergej Kud-Swertschkow und Sergej Mikajew hatten 241 Tage auf der Internationalen Raumstation verbracht – 3856 Erdumkreisungen und mehr als 164 Millionen Kilometer seit ihrem Start am 27. November 2025.

Der Abstieg selbst verlief unspektakulär, und genau darin liegt die Leistung. Sojus MS-28 legte um 2.03 Uhr Ortszeit Houston von der Station ab und setzte um 5.27 Uhr auf, in Kasachstan war es früher Nachmittag. Bergungsteams flogen die Besatzung per Hubschrauber nach Karaganda; von dort brachte ein NASA-Flugzeug Williams zum Johnson Space Center in Houston, während seine beiden Kollegen zu ihrer Ausbildungsbasis in Sternenstädtchen bei Moskau aufbrachen. Für Williams und Mikajew war es der erste Raumflug, für Kud-Swertschkow der zweite.

Was acht Monate erbracht haben

Williams arbeitete an einem gemischten Forschungsprogramm, darunter Untersuchungen für neue Krebstherapien und Verbesserungen bei der Herstellung von Materialien im Orbit, die in Hochleistungsrechnern und in der Elektronik zum Einsatz kommen – ein Feld, in dem die fehlende Schwerkraft verändert, was physikalisch überhaupt möglich ist. Hinzu kamen zwei Außeneinsätze: einer, um die Station auf die Erneuerung ihres Stromsystems vorzubereiten, ein zweiter, um ein defektes Gelenk des Roboterarms Canadarm2 auszutauschen, auf den der Außenposten beim Einfangen von Fracht und bei Wartungsarbeiten angewiesen ist.

Die leisere Geschichte ist die der Kontinuität. Seit mehr als 25 Jahren leben und arbeiten ohne Unterbrechung Menschen an Bord der Station, und die Übergabe war abgeschlossen, bevor diese Besatzung ging. Am 14. Juli trafen Anil Menon von der NASA sowie die Roskosmos-Kosmonauten Pjotr Dubrow und Anna Kikina zu ihrem eigenen achtmonatigen Aufenthalt ein, gestartet vom Kosmodrom Baikonur, das Russland in Kasachstan pachtet. Sie stießen zu Jessica Meir und Jack Hathaway von der NASA, Sophie Adenot von der europäischen Raumfahrtagentur ESA und Andrei Fedjajew von Roskosmos, die gemeinsam die Expedition 75 bilden.

Dieser Start hatte einen ungewöhnlichen Gast: NASA-Chef Jared Isaacman war persönlich angereist, der erste Besuch eines Behördenleiters in Baikonur seit acht Jahren. Einst Rivalen im Wettlauf ins All, betreiben beide Agenturen die Station über Jahre politischer Spannungen zwischen Washington und Moskau hinweg gemeinsam weiter; amerikanische und russische Besatzungen fliegen nach wie vor mit den Raumschiffen der jeweils anderen Seite. Am Sonntag lieferte diese Konstruktion ihr elementarstes Ergebnis: drei Menschen wohlbehalten und pünktlich zu Hause.