Eine NASA-Sonde hat sich ein wenig vom Schwung des Mars geliehen, um sich tiefer ins Sonnensystem zu schleudern – und schickte eine Zeitrafferaufnahme zurück, in der der Rote Planet beim Vorbeiflug anschwillt und wieder schrumpft.
Die Mission Psyche flog am 15. Mai am Mars vorbei und kam der Oberfläche dabei bis auf rund 4.609 Kilometer (2.864 Meilen) nahe. Das als Swing-by bezeichnete Manöver ließ die Anziehungskraft des Planeten der Sonde einen Geschwindigkeitsschub von etwa 1.000 Meilen pro Stunde geben und ihre Bahnebene um rund ein Grad verschieben – ganz ohne einen Tropfen Treibstoff. Dieser kostenlose Anstoß brachte Psyche auf Kurs zu ihrem eigentlichen Ziel: einem metallreichen Asteroiden, ebenfalls Psyche genannt, den sie im Sommer 2029 erreichen soll.
Ein Planet in Bewegung
Die NASA veröffentlichte die Aufnahmen am 17. Juli. Aus Tausenden Einzelbildern, die zwischen dem 2. und 31. Mai entstanden, zusammengesetzt, beginnt der Zeitraffer mit dem Mars als schmaler Sichel in der Ferne. Je näher die Sonde kommt, desto größer wird der Planet, bis seine kraterübersäte Oberfläche das Sichtfeld der Kamera füllt; beim Wegflug gibt der wechselnde Blickwinkel die helle Eiskappe am Südpol des Mars frei. Unterwegs erfasste das Kamerateam windgeschliffene Krater und das große, doppelt beringte Becken des Huygens-Kraters.
Der Vorbeiflug war mehr als eine Gelegenheit für ein Foto. Swing-by-Manöver sind ein Standardwerkzeug der Raumfahrt, gerade weil sie Treibstoff sparen, den eine Sonde sonst von Anfang an mitführen müsste – Masse, die sich unmittelbar in Kosten und Komplexität niederschlägt. Indem sie den Mars die Arbeit erledigen ließen, sparten die Planer Psyches eigenen Antrieb für die lange Reise und das heikle Einschwenken in die Umlaufbahn um den Asteroiden.
Dieser Asteroid ist der Grund für die ganze Reise. Der metallreiche Psyche könnte der freigelegte Kern eines frühen Planetenbausteins sein – eine Gelegenheit, von außen jene Art von Inneren zu untersuchen, das die Erde Tausende Kilometer unter ihrer Kruste verborgen hält. Die Begegnung mit dem Mars und die eindrucksvollen Bilder waren nur ein gut gezielter Zwischenschritt auf dem Weg dorthin.
