Ben Sutlieff suchte keinen Planeten. Der Postdoktorand der Universität Edinburgh wollte im Dezember 2025 mit dem Very Large Telescope (VLT) der Europäischen Südsternwarte in Chile lediglich die Atmosphäre eines längst bekannten Gasriesen im mittleren Infrarot vermessen. In den Daten fand er stattdessen einen winzigen Fleck – und damit den lichtschwächsten Exoplaneten, der je von der Erde aus direkt abgebildet wurde.
Solche Flecken sind normalerweise nichts. »Wenn man so etwas sieht, arbeitet man die Daten weiter auf, und diese kleinen, kümmerlichen Signale verschwinden, weil sie nicht echt sind«, sagte Sutlieff dem Magazin Scientific American. Dieses hier verschwand nicht. Markus Bonse von der ESO bereinigte das Bild mit Algorithmen des maschinellen Lernens – der Punkt blieb. »Da ist noch etwas, hast du das gesehen?«, erinnert sich Bonse.
Elf Jahre lang übersehen
Der Fleck saß in der Trümmerscheibe um den Stern Beta Pictoris, 63 Lichtjahre entfernt im südlichen Sternbild Maler. Ein Hintergrundstern ließ sich zunächst nicht ausschließen. Statt Jahre auf neue Beobachtungen zu warten, durchsuchte das Team die Archive der ESO und des James-Webb-Weltraumteleskops. Das Ergebnis: Der Planet war dort seit elf Jahren zu sehen – nur zu lichtschwach, um aufzufallen. Besonders kniffliges Material stammte aus dem Jahr 2014, als er von der Erde aus fast exakt auf einer Linie mit dem viel helleren Beta Pictoris b stand und von diesem überstrahlt wurde.
Beta Pictoris d, so der Name, ist rund 100-mal lichtschwächer als b und mit etwa 2,4 Jupitermassen deutlich leichter; sein Radius entspricht 1,26 Jupiterradien. Für einen Umlauf braucht er rund 90 Jahre auf einer vermutlich stark exzentrischen Bahn, die ihn bis zu 26 Astronomische Einheiten vom Stern wegführt – zum Vergleich: Uranus kommt auf knapp 20, Neptun auf 30. Mit gut 320 Grad Celsius ist der Gasriese vergleichsweise kühl; die Wärme stammt noch aus der Entstehungsphase, als sich Gas und Staub zusammenzogen und Gravitationsenergie in Wärme umgewandelt wurde. Der massereichere Beta Pictoris b bringt es auf 1500 Grad.
Warum das zählt: Beta Pictoris ist nach HR 8799 erst das zweite System, in dem mehr als zwei Planeten direkt abgebildet werden konnten – und der Neuzugang erklärt zugleich die auffällige Form der Trümmerscheibe um den Stern. Vor allem aber zeigt der Fund, dass selbst in gut untersuchten Systemen noch Planeten stecken können. Mit dem künftigen Extremely Large Telescope der ESO dürften weitere folgen. Das Team berichtet in den »Astrophysical Journal Letters«.