Zum ersten Mal überhaupt stammte im Juni ein Viertel des EU-Stroms aus Photovoltaik. Nach Auswertungen des Energie-Thinktanks Ember lieferten Solaranlagen 52 Terawattstunden und damit 25 Prozent der monatlichen Erzeugung — ein Rekord, der die bisherige Bestmarke von 47 Terawattstunden (23 Prozent) aus dem Mai dieses Jahres übertrifft.
Damit war die Sonne im Juni die größte einzelne Stromquelle der Union: vor Kernkraft (21 Prozent), Gas (15 Prozent), Wind (14 Prozent) und Wasserkraft (12 Prozent). Kohle kam auf gerade acht Prozent. Erst zum dritten Mal stand Solar überhaupt an der Spitze — nach dem Juni 2025 und dem Mai 2026.
Bemerkenswerter als der Rekord ist das Tempo dahinter. Im Juni 2021 deckte Photovoltaik zehn Prozent des EU-Stroms, in absoluten Zahlen 21 Terawattstunden. Zwischen 2021 und 2025 wuchs die Solarerzeugung Jahr für Jahr um mehr als ein Fünftel und damit schneller als jede andere Quelle im Netz. Getragen wird das vom Zubau: Allein 2025 kamen 65,1 Gigawatt neue Leistung hinzu.
„Der Aufstieg der Solarenergie verläuft geradezu stratosphärisch und übertrifft eine Prognose nach der anderen“, sagt Chris Rosslowe, leitender Analyst bei Ember. Binnen weniger Jahre sei Solar von einer Randgröße zu einem tragenden Bestandteil des europäischen Stromsystems geworden — angetrieben von Regierungen und Bürgern, die auf günstige, schnell installierbare heimische Erzeugung setzen.
Achtzehn Länder mit neuen Bestmarken
Der Trend ist kein Effekt einzelner Sonnenländer. In diesem Jahr haben 18 der 27 Mitgliedstaaten neue Monatsrekorde beim Solaranteil aufgestellt. Spanien überschritt im Juni erstmals ein Drittel (34 Prozent). Deutschland, das europaweit die meiste Photovoltaikleistung installiert hat, erreichte im Mai 33 und im Juni 36 Prozent. Und selbst Polen, einer der größten Kohleverstromer der EU, kam auf 24 Prozent — nach einem Zubau von mehr als 20 Gigawatt zwischen 2020 und 2025.
Der Rekord fiel mit hoher sommerlicher Nachfrage zusammen, angetrieben auch vom Kühlbedarf während der Hitzewellen. Gerade als andere Quellen bei heißem, windstillem Wetter schwächelten, stützte die Photovoltaik die Versorgung — also genau dann, wenn das Netz sie am dringendsten braucht.
Für Verbraucher ist der Effekt messbar. Spanien hat seine Wind- und Solarkapazität seit 2019 verdoppelt und über 40 Gigawatt zugebaut, mehr als jedes andere EU-Land außer Deutschland, dessen Strommarkt doppelt so groß ist. Dort sind die Rechnungen gefallen, während sie vielerorts stiegen; Ember beziffert die Entlastung auf rund zehn Euro je Haushalt und Monat. Rosslowe zieht daraus einen allgemeineren Schluss: Man brauche keine spanische Sonne, um zu erreichen, was Spanien erreicht habe — jedes Land in Europa könne seine eigenen Wind- und Solarressourcen besser nutzen und so die Abhängigkeit von teurem Gas verringern.
