Mehr als 300 Meter unter der Labradorsee wich die Dunkelheit einem Schiffsbug. Für die Fachleute, die von einem Tauchboot aus zusahen, war es der erste Nahblick überhaupt auf die Quest, das letzte Schiff des Antarktisforschers Ernest Shackleton – ein Moment, den der Expeditionsleiter schlicht »bewegend« nannte.
Der Tauchgang war Teil einer Expedition der Royal Canadian Geographical Society (RCGS) und der Woods Hole Oceanographic Institution (WHOI), die zwei der berühmtesten Schiffe aus dem »heroischen Zeitalter« der Polarforschung dokumentieren wollte. Neben der Quest untersuchte das Team die Terra Nova, das Schiff, mit dem Robert Falcon Scott 1910 zum Südpol aufbrach. Statt die Wracks nur zu fotografieren, wollten die Forschenden sie bewahren: Mit Stereokameras, Lasern und einem Photogrammetrie genannten Verfahren fügten sie Tausende überlappender Bilder zu hochdetaillierten dreidimensionalen »digitalen Zwillingen« zusammen.
Ein Abbild, das das Wrack überdauert
Die Quest nimmt dabei einen besonderen Platz ein. Shackleton starb 1922 an Bord des Schiffes, das Jahrzehnte später, 1962, sank; die RCGS ortete das Wrack 2024, doch nur als schwachen Sonarschatten. Diese Rückkehr – mit dem ferngesteuerten Tauchroboter Falcon der WHOI und dem legendären Tauchboot Alvin, das vor 40 Jahren als erstes bemanntes U-Boot die Titanic erreichte – brachte es erstmals scharf ins Bild. Vieles ist erhalten: Bug, Deck und einige Bullaugen, inzwischen besiedelt von rosa Korallen und umkreist von Kabeljau, Rotbarsch und Katfisch.
Für Expeditionsleiter John Geiger, den Vorstandschef der RCGS, markiert die Arbeit ein »goldenes Zeitalter« der Wrackforschung, in dem die Bildtechnik endlich Orte erreicht, die für Menschen kaum zugänglich sind. Die digitalen Modelle erlauben es Forschenden – und der Öffentlichkeit –, die Schiffe im Detail zu studieren, ohne sie zu stören: als in Daten eingefrorene Momentaufnahme von Schiffen, die die Tiefsee mit der Zeit langsam zurückholen wird.