Zwei Regionen, die sich offiziell um dasselbe Projekt bewerben, wollen kuenftig an einem Strang ziehen: Am 17. Juli besiegeln der Freistaat Sachsen und die italienische Region Sardinien im Ethnografischen Museum von Nuoro ihre gemeinsame Bewerbung um das Einstein-Teleskop. Eine erste Absichtserklaerung hatten die Praesidentin der Autonomen Region Sardinien, Alessandra Todde, und Sachsens Wissenschaftsminister Sebastian Gemkow bereits im Januar in Rom unterzeichnet, wie die Technische Universitaet Dresden mitteilte.
Das Einstein-Teleskop (ET) soll als Detektor der dritten Generation Gravitationswellen mit bisher unerreichter Praezision aufspueren — laut Physics World mindestens zehnmal empfindlicher als heutige Anlagen und in der Lage, an einem einzigen Tag so viele Signale zu sammeln, wie LIGO und Virgo in einem Jahrzehnt gelang. Forscherinnen und Forscher erhoffen sich davon einen genaueren Blick auf verschmelzende Schwarze Loecher und auf die fruehesten Momente des Universums. Das rund zwei Milliarden Euro teure Vorhaben gilt als groesste astrophysikalische Grossforschungsinfrastruktur, die in Europa seit Jahrzehnten geplant wird.
Aus Wettbewerb wird Kooperation
Statt sich gegenseitig zu verdraengen, setzen Sachsen und Sardinien auf die sogenannte Doppel-L-Konfiguration. Dabei entstuende das ET nicht an einem einzigen Ort, sondern aus zwei komplementaeren L-foermigen Interferometern mit je rund 15 Kilometer langen Armen — eines in der Lausitz, eines bei Nuoro. Die Alternative waere ein einzelnes dreieckiges Observatorium mit etwa zehn Kilometer langen Seiten. Fuer die Doppel-L-Variante spricht sich auch der Physik-Nobelpreistraeger Giorgio Parisi aus, der ein wissenschaftliches Beratungsgremium der italienischen Bewerbung leitet; Befuerworter sehen darin Vorteile bei Kosten, Risiko und der genauen Ortung kosmischer Signale.
Beide Standorte bringen guenstige geologische Bedingungen mit. Die Lausitz zaehlt zu den seismologisch ruhigsten Regionen Europas; ihr trockener Granitstock wurde dank des frueheren Bergbaus bereits detailliert kartiert. Auf deutscher Seite tragen die TU Dresden und das Karlsruher Institut fuer Technologie die Zusammenarbeit; die TUD leitet zudem eine im bundesweiten STARK-Programm gefoerderte Machbarkeitsstudie zum Lausitzer Gestein. Sardinien wiederum setzt auf das seismisch stabile, duenn besiedelte Gebiet um die fruehere Mine Sos Enattos.
Die Vereinbarung sieht gemeinsame Forschungsprojekte, den Austausch geophysikalischer und seismischer Daten sowie gemeinsame Ausbildungsprogramme vor. Ueber den Standort — neben Lausitz und Sardinien bewirbt sich auch die Euregio Maas-Rhein im Dreilaendereck von Deutschland, Belgien und den Niederlanden — soll auf europaeischer Ebene in der zweiten Haelfte des Jahres 2027 entschieden werden.
