Manchmal entsteht eine astronomische Entdeckung nicht bei der ersten Beobachtung, sondern beim zweiten Hinsehen. Der Exoplanet GJ 3378b, der einen Roten Zwergstern im Sternbild Camelopardalis (Giraffe) umkreist, war 2024 von französischen Astronomen mit dem Canada-France-Hawaii-Teleskop auf dem Mauna Kea aufgespürt und als Mini-Neptun eingestuft worden — als überwiegend gasförmige Welt also, auf der Leben kaum denkbar wäre. Ein Team der University of California, Irvine hat ihn nun neu vermessen. Das Ergebnis verschiebt den Planeten in eine völlig andere Kategorie: Er ist eine Gesteinswelt in der habitablen Zone seines Sterns, rund 25 Lichtjahre von der Erde entfernt.
Ausschlaggebend waren zwei korrigierte Zahlen. Die ursprüngliche Messung hatte GJ 3378b 5,26 Erdmassen zugeschrieben; die neuen Beobachtungen mit dem Habitable-zone Planet Finder am Hobby-Eberly-Teleskop des McDonald Observatory in Texas und dem NEID-Spektrometer am WIYN-Teleskop auf dem Kitt Peak in Arizona ergaben lediglich 2,3 Erdmassen bei etwa 1,3 Erdradien — eine Super-Erde. Zugleich schrumpfte die Umlaufzeit von 25 auf gut 21 Tage. Der Planet steht seinem Stern damit näher als angenommen und empfängt rund 90 Prozent jener Strahlung, die die Erde von der Sonne bekommt.
„Dieser hier ist aufregend. Er ist einer unserer nächsten kosmischen Nachbarn", sagt Paul Robertson von der UC Irvine. „25 Lichtjahre klingen nach einer großen Entfernung, aber die Milchstraße ist etwa 100.000 Lichtjahre groß."
Die offene Frage ist die Atmosphäre
Warum das über einen einzelnen Planeten hinaus zählt: Rote Zwerge stellen rund 70 Prozent aller Sterne der Galaxis, wie Michael Endl von der University of Texas in Austin betont — wer ihre Planeten versteht, versteht den Normalfall im Kosmos. Doch gerade diese Sterne schleudern heftige Strahlungsböen hinaus, die einem Planeten die Gashülle abreißen können. GJ 3378b liegt genau auf der „Cosmic Shoreline", jener Grenze, jenseits derer eine Atmosphäre verloren geht. Der Mars ist das Beispiel vor der Haustür: Er besaß vermutlich einst eine erdähnliche Lufthülle, die die Sonne später zerstörte.
Ob GJ 3378b eine besitzt, lässt sich vorerst nicht klären. Der Planet zieht von der Erde aus gesehen nicht vor seinem Stern vorbei; nachgewiesen wurde er allein über das gravitative Wackeln, das er seinem Stern aufzwingt und das sich als Doppler-Verschiebung im Sternenlicht verrät. Erst das Habitable Worlds Observatory, das die NASA für die 2040er-Jahre plant, könnte die Hülle direkt untersuchen.
Robertson veranschaulicht, worum es dabei geht: Schrumpfe man die Erde auf Apfelgröße, wäre ihre Atmosphäre etwa so dick wie die Apfelschale — gerade genug, um an der Oberfläche jenen Druck zu halten, bei dem flüssiges Wasser existieren kann. Erst wenn diese Hülle nachgewiesen ist, so das Team, lohnt die Suche nach Biosignaturen. Die Studie erschien im Fachmagazin The Astrophysical Journal.