Quaise Energy, eine Ausgründung des Massachusetts Institute of Technology, hat im ersten Abschluss einer Serie-B-Runde 134 Millionen US-Dollar eingesammelt. Mit dem Geld will das Unternehmen nach eigenen Angaben das weltweit erste kommerzielle Superhot-Geothermiekraftwerk errichten.
Angeführt wurde die Runde von Prelude Ventures, mit strategischer Beteiligung von JERA und Idemitsu, zwei der größten Energiekonzerne Japans, sowie dem bestehenden Investor Safar Partners. Weiteres Eigen- und Fremdkapital soll in Kürze folgen. Zusammen mit früheren Runden hat Quaise damit rund 230 Millionen Dollar aufgenommen.
Im Zentrum des Vorhabens steht eine ungewöhnliche Bohrmethode. Herkömmliche Anlagen arbeiten mit rotierenden Bohrköpfen, die sich in hartem, heißem Gestein schnell abnutzen - weshalb die meisten Geothermiebohrungen vergleichsweise flach bleiben. Quaise leitet stattdessen energiereiche Millimeterwellen in das Bohrloch, die das Gestein so stark erhitzen, dass es verdampft. Da nichts das Gestein berührt, soll das über mehr als ein Jahrzehnt am MIT entwickelte Verfahren auch dort weiterkommen, wo gewöhnliche Technik versagt.
Der Lohn ist Hitze. Nach Angaben von Quaise lässt sich damit vielerorts Gestein von etwa 300 bis 500 Grad Celsius erreichen. Tieferes, heißeres Gestein liefert deutlich mehr Energie pro Bohrung - was im Prinzip weniger Bohrlöcher bedeutet und eine Leistungsdichte nahe der von Kohle- oder Kernkraftwerken, aber ohne deren Emissionen.
Vom Testloch in Texas zum Kraftwerk in Oregon
Die Technik wird noch im Feld erprobt. An einem Standort in Zentral-Texas hat Quaise mehr als 100 Meter Granit durchbohrt und nähert sich nun einer Tiefe von einem Kilometer - nach Unternehmensangaben das tiefste je berührungslos gebohrte Loch. Um am kommerziellen Standort an das heißeste Gestein zu gelangen, muss letztlich mehr als fünf Kilometer tief gebohrt werden.
Dieser Standort ist "Project Obsidian" auf staatlichen Geothermie-Konzessionsflächen im Deschutes National Forest in Oregon. Quaise will bis 2030 ersten Strom ins Netz einspeisen, zunächst mehr als 50 Megawatt und später bis zu 250 Megawatt, und hat für die anfängliche Leistung bereits einen nicht genannten Rechenzentrumsbetreiber unter Vertrag.
"Diese Runde bringt uns von einer im Feld bewährten Technologie zu ersten kommerziellen Einnahmen", sagte Geschäftsführer Carlos Araque. Das Interesse spiegelt eine breitere Renaissance der Geothermie wider, da die Nachfrage nach verlässlicher, rund um die Uhr verfügbarer sauberer Energie wächst.
