Väterliche Fürsorge – wenn ein Männchen Eier oder Nachwuchs allein umsorgt – ist eine der seltensten Formen elterlicher Zuwendung im Tierreich. In einer Gruppe langbeiniger Spinnentiere, den Weberknechten, ist sie jedoch immer wieder entstanden. Eine neue Studie zeigt, wie – und verdankt einen Großteil ihrer Belege ganz gewöhnlichen Naturliebhabern mit Smartphone.

Ein internationales Team unter Leitung eines Biologen der Universität São Paulo verband fast drei Jahrzehnte Feldforschung mit Zehntausenden Beobachtungen, die auf iNaturalist hochgeladen wurden – einer beliebten Plattform, auf der jeder Fotos von Wildtieren teilen kann. Das Ergebnis, veröffentlicht im „Zoological Journal of the Linnean Society", hat die dokumentierten Fälle elterlicher Fürsorge bei Weberknechten mehr als verdoppelt. Seit 1936 hatten Fachleute solches Verhalten bei 80 Arten verzeichnet; die neue Arbeit fügte Dutzende hinzu, allein 62 neue Nachweise stammen aus iNaturalist.

Dieser erweiterte Katalog erlaubte es den Forschenden, erstmals zu rekonstruieren, wie sich mütterliche und väterliche Fürsorge in der Überfamilie Gonyleptoidea entwickelten. Das Muster ist alles andere als geradlinig: Das Bewachungsverhalten entstand, verschwand und tauchte im Laufe der Stammesgeschichte immer wieder auf. Mütterliche Fürsorge entwickelte sich stets aus dem Fehlen jeder Fürsorge – derselbe Weg wie bei Insekten. Väterliche Fürsorge dagegen ging entweder aus keiner Fürsorge oder aus bestehender mütterlicher Fürsorge hervor.

Warum Weberknechte wichtig sind

Diese Wandelbarkeit macht Weberknechte zu einem ungewöhnlich ergiebigen natürlichen Labor. Mit mehr als 6.900 bekannten Arten stellen sie nur 0,6 Prozent der Gliederfüßer-Vielfalt, entfallen aber auf mehr als die Hälfte aller unabhängigen Ursprünge väterlicher Fürsorge im Tierreich. Wenn Männchen die Eier allein bewachen, spiegle das oft sexuelle Selektion wider – Weibchen bevorzugen fürsorgliche Väter, eine Annahme, die als „Enhanced-Fecundity"-Hypothese bekannt ist.

„Väterliche Fürsorge ist in der Natur sehr selten, und dieses Verhalten hat sich vielfach unabhängig entwickelt", sagte Erstautor Glauco Machado. An Weberknechten ließen sich die Kräfte untersuchen, die eine Art dazu bringen.

Die Ergebnisse sind zugleich eine stille Bestätigung der Bürgerwissenschaft: Fotos, die neugierige Laien schossen, offenbarten zusammengenommen eine Evolutionsgeschichte, die jahrzehntelange Feldforschung von Fachleuten allein nicht sichtbar machen konnte.