Für Hamburgs Stromkundinnen und -kunden bringt das Jahr 2026 eine Entlastung. Die Netzentgelte für Strom – jener Teil der Rechnung, der für die Nutzung der Leitungen anfällt – liegen laut dem städtischen Betreiber Hamburger Energienetze rund 17 Prozent niedriger als 2025. Möglich macht das auch ein Bundeszuschuss. Ein durchschnittlicher Haushalt spart dadurch etwa 8,40 Euro im Monat.
Ganz ungetrübt ist das Bild nicht. Die Gas-Netzentgelte legten zugleich um 19 Prozent zu; Gaskunden zahlen im Schnitt rund 5,90 Euro mehr pro Monat. Die Höhe der Entgelte bestimmt nicht der freie Wettbewerb: Die Bundesnetzagentur reguliert Netzbetreiber wie die Energienetze und legt fest, welche Erlöse sie erzielen dürfen.
Wirtschaftlich verlief das jüngste Geschäftsjahr gut. Der Umsatz stieg auf annähernd 1,5 Milliarden Euro und damit um rund 12,8 Prozent gegenüber 2024 – auch, weil die Bundesnetzagentur höhere Erlöse zuließ. An die Stadt führte das kommunale Unternehmen 130,4 Millionen Euro ab; die Ausschüttung fiel nach Angaben des Fachdiensts Energie & Management um 21,5 Prozent höher aus als im Vorjahr.
Investitionen und Wasserstoff
Ein großer Teil des Geldes fließt zurück ins Netz. Die Investitionen stiegen um rund ein Drittel auf etwa 580 Millionen Euro, verteilt auf Strom-, Gas- und Wasserstoffleitungen. Südlich der Elbe entsteht bereits das Wasserstoff-Industrienetz HH-WIN: 15 Kilometer sind im Bau, die ersten 40 Kilometer sollen 2027 in Betrieb gehen, bis 2031 soll das Netz auf rund 60 Kilometer wachsen.
Tempo verlangt vor allem ein Volksentscheid. Im Oktober 2025 stimmten die Hamburgerinnen und Hamburger dafür, die CO2-Neutralität von 2045 auf 2040 vorzuziehen. Für das Unternehmen bedeutet das laut Geschäftsbericht «erhebliche Herausforderungen». Geschäftsführungsmitglied Michael Dammann, zuständig für den Netzbetrieb, sagte, man ziehe Planungen um fünf Jahre vor und brauche dafür zusätzliche Mitarbeiter für Bauvorhaben.
Zugleich wächst die Nachfrage nach Anschlüssen. Peter Wolffram aus der Geschäftsführung, verantwortlich für das Kundengeschäft, berichtete von Anfragen von Betreibern von Batteriespeichern, von Rechenzentren und aus der Industrie. Weil die Kapazitäten begrenzt sind, ersetzt der Betreiber das bisherige «Windhundverfahren» – wer zuerst einen Antrag stellt, wird zuerst berücksichtigt – durch ein neues Vergabeverfahren. Beim Ausbau der Ladeinfrastruktur kam die Stadt derweil voran: Binnen eines Jahres entstanden 1.440 öffentliche Ladepunkte, ein Plus von 40 Prozent.
Die Hamburger Energienetze gingen im September 2024 aus dem städtischen Strom- und dem städtischen Gasnetzbetreiber hervor und fusionierten rechtlich zum Jahreswechsel 2026. Wurzeln hat die kommunale Lösung im Volksentscheid von 2013, mit dem die Bürgerinnen und Bürger die Netze für Strom, Gas und Fernwärme in städtischen Besitz zurückholten.
