Manche Klimalösung entsteht im Labor; diese steckt im Kuhfladen. Forschende der Southern Cross University und der University of New England haben herausgefunden, dass Mistkäfer die Methanemissionen aus Rinderdung um bis zu 85 Prozent senken – nach eigenen Angaben die erste australische Studie, die den Effekt der Insekten auf Treibhausgase mit einer belastbaren Zahl beziffert.
Die im Fachjournal »Ecological Entomology« veröffentlichte Arbeit verfolgte die Emissionen von Rinderdung über 90 Tage in geschlossenen Gasanalysekammern im Norden von New South Wales. Das Team verglich Fladen, die von einer Mischung aus vier eingeführten Käferarten besiedelt waren, mit käferfreien Kontrollproben. Sich selbst überlassen, stießen die Kontrollfladen um den sechsten und sechzehnten Tag Methanschübe aus; die von Käfern bearbeiteten Fladen blieben über das gesamte Experiment nahe null. Insgesamt senkten die Käfer den Treibhausgas-Fußabdruck des Dungs um 18 Prozent.
Der Mechanismus ist physikalisch. »Indem sie den Dung durchgraben und durchlüften, verwandeln diese Käfer Treibhausgase in eine emissionsarme Zersetzung«, sagte Nigel Andrew, Professor an der Southern Cross University. Methan entsteht durch Mikroben, die im luftlosen Inneren eines Fladens gedeihen; graben sich die Käfer hindurch, brechen sie diese sauerstoffarmen Zonen auf und verschieben die Zersetzung hin zu sauerstoffnutzenden Prozessen, die aus dem hochwirksamen Methan das weit weniger klimaschädliche Kohlendioxid machen. Zugleich beschleunigten die Käfer die frühe Freisetzung dieses weniger schädlichen CO2.
Bemerkenswert ist, dass der Nutzen die Insekten überdauerte. Die meisten Käfer hatten die Fladen bis zum 23. Tag verlassen, doch die klimafreundliche Signatur blieb – ein Hinweis darauf, dass ihre Grabtätigkeit die mikrobielle Gemeinschaft des Dungs dauerhaft umformt.
Ein lebendiges Werkzeug für emissionsärmere Weidewirtschaft
Die Rinderhaltung zählt zu den größten Quellen landwirtschaftlichen Methans, und Möglichkeiten, es ohne kleinere Herden zu senken, sind rar. Australien bietet eine bereitstehende Belegschaft: Neben mehr als 500 heimischen, an Beuteltierkot angepassten Arten führte die nationale Wissenschaftsbehörde CSIRO zwischen 1968 und 1992 über 20 Käferarten aus Afrika, Hawaii und Südeuropa ein, um Weiden zu verbessern und Fliegen einzudämmen. Die neuen Ergebnisse legen nahe, dass ebendiese Insekten still eine Klimadividende abwerfen.
Die Forschenden verstehen käferfreundliche Weidewirtschaft als günstigen Hebel, der künftig in die CO2-Bilanzierung landwirtschaftlicher Betriebe einfließen könnte – eine Erinnerung daran, dass einige der wirksamsten Maßnahmen bereits unter unseren Füßen am Werk sind und nur darum bitten, sie ihre Arbeit tun zu lassen.
