Nach einer 400 Tage langen Reise uber rund eine Milliarde Kilometer hat Chinas Raumsonde Tianwen-2 einen der schwer fassbaren Begleiter der Erde erreicht und das erste Nahaufnahmebild von ihm zuruckgeschickt.

Die chinesische Raumfahrtbehorde CNSA teilte am 6. Juli mit, dass die Sonde einen Stationspunkt in etwa 20 Kilometern Entfernung vom erdnahen Asteroiden Kamo'oalewa eingenommen habe, offiziell katalogisiert als 469219 (2016 HO3). Das Bild wurde nach Angaben der chinesischen Nachrichtenagentur Xinhua am 2. Juli aufgenommen und zeigt einen kleinen, langlichen und deutlich asymmetrischen Felsen.

Kamo'oalewa ist ein Quasimond: Er umkreist die Sonne, nicht die Erde, folgt dabei aber einer Bahn, die ihn in der Nahe unseres Planeten halt, mal rund 14, mal bis zu 40 Millionen Kilometer entfernt. Die Erde hat mindestens sieben solcher Begleiter, deren Bahnen weit weniger stabil sind als die des echten Mondes. Der 2016 entdeckte Kamo'oalewa dreht sich einmal alle 28 Minuten um seine eigene Achse.

Ein Bild, das etwas uber die Herkunft verrat

Die Aufnahme leistet bereits wissenschaftliche Arbeit. Bodengestutzte Messungen hatten den Durchmesser des Objekts irgendwo zwischen 40 und 100 Metern verortet; das neue Bild deutet auf einen Korper von gut 20 Metern hin, etwa so lang wie ein Bus. Das kommt der Schatzung von rund 18 Metern nahe, die Sharkey und Kollegen mit dem James-Webb-Weltraumteleskop ermittelt und am 1. Juli veroffentlicht haben, wahrend die Studie noch begutachtet wird.

Woher das Gestein stammt, ist seit Jahren umstritten. Eine Hypothese, dargelegt in einer Arbeit in Nature Astronomy von 2024, besagte, Kamo'oalewa konnte ein Bruchstuck des Mondes sein, das durch den Einschlag ins All geschleudert wurde, der den Krater Giordano Bruno formte. Doch die Webb-Beobachtungen und die hohe Oberflachenreflektivitat, die das neue Bild offenbar bestatigt, weisen in die andere Richtung. Mikael Granvik, Astronom an der Universitat Helsinki und der Universitat Lulea, sagte gegenuber SpaceNews, die Reflektivitat sei mit der dunkleren Oberflache des Mondes nicht vereinbar: »Es scheint also, dass Kamo'oalewa asteroidalen Ursprungs ist.«

Eine zuruckgebrachte Probe durfte helfen, die Frage zu klaren. Tianwen-2 tragt elf Instrumente, darunter Kameras, Spektrometer, einen Laserentfernungsmesser, ein Radar zur Untergrunderkundung, Teilchenanalysatoren und den italienischen Staubdetektor DIANA, und kann auf drei Arten Material sammeln: schwebend, im Touch-and-Go-Verfahren oder durch Verankerung an der Oberflache. Voraussichtlich verlasst die Sonde den Asteroiden im April 2027 und wirft ihre Probenkapsel Ende November 2027 in die Erdatmosphare ab, bevor sie weiter zum Kometen 311P/PANSTARRS fliegt.