Zentralbanken machen mit ihren Sicherheitenregeln selten Schlagzeilen. Doch die Bank of England hat still und leise einen Schlussstrich unter einen der schmutzigsten Brennstoffe der Welt gezogen – und Klimaschützer sprechen von einem Erfolg.

Ab dem 31. Oktober werden Anleihen mit Bezug zu Kraftwerkskohle nicht mehr als Sicherheit akzeptiert, wenn sich Geschäftsbanken bei der Notenbank Geld leihen. Die Bank vergibt regelmäßig kurzfristige Kredite an Institute wie Barclays, Lloyds, NatWest und HSBC, damit der Zahlungsverkehr läuft; als Garantie müssen diese Anleihen hinterlegen. Kohlebezogene Papiere werden künftig an dieser Stelle abgewiesen.

Ein Signal an den Markt

Die Begründung ist ebenso finanzieller wie ökologischer Natur. In ihrer Erklärung warnte die Bank, Unternehmen der Kraftwerkskohle könnten "potenziellen finanziellen Risiken im Zuge der Anpassung der Wirtschaft an die Klimaneutralität" ausgesetzt sein – im Klartext: Mit dem Umstieg auf sauberere Energie könnten solche Anleihen an Wert verlieren und zur Last in der Bilanz werden. Vom selben Datum an erhebt die Bank zudem zusätzliche Abschläge auf Unternehmensanleihen aus anderen Branchen, die als besonders verletzlich für den Wandel gelten.

Kraftwerkskohle, die in Kraftwerken zur Stromerzeugung verbrannt wird, ist seit Langem ein Ziel von Umweltschützern. Ellie McLaughlin von der Gruppe Positive Money nannte den Schritt "ein starkes Signal einer Zentralbank – und an den Markt". David Barmes von der London School of Economics sah darin einen "vorsorglichen Umgang mit Klimarisiken".

Der Schritt hält für sich genommen niemanden davon ab, Kohle zu fördern oder zu verbrennen. Seine Wirkung ist indirekt: Wenn schon die Währungshüterin kohlebezogene Vermögenswerte für zu riskant hält, so die Hoffnung, überlegen es sich auch Geschäftsbanken zweimal, solche Papiere zu halten. Mit dieser Einschätzung steht die Bank nicht allein – laut der Non-Profit-Organisation Reclaim Finance schränken rund 150 der größten Finanzkonzerne der Welt ihre Geschäfte mit der Kohleindustrie bereits ein.

Für eine Regelung, die im Fachjargon einer Marktmitteilung vom Juni steckt, ist die Botschaft ungewöhnlich deutlich: Die Institution im Zentrum des britischen Finanzsystems betrachtet Kohle inzwischen als Risiko, das sie lieber nicht tragen möchte.