Die Grasstreifen entlang ländlicher Highways sind meist ein Nebenschauplatz – gemäht, übersehen und selten als Lebensraum gedacht. In Nord-Florida versucht ein Team von Wissenschaftlern, das zu ändern, Seidenpflanze für Seidenpflanze. Ihr Ziel: 15.000 der blühenden Gewächse von Hand an Straßenränder zu setzen und so eine Kette von Rastplätzen für Monarchfalter und andere Insekten zu schaffen.
Das Vorhaben ist Teil einer größeren, von der University of Illinois Chicago geleiteten Initiative, die vernachlässigte Korridore neben Straßen, Stromleitungen und Bahngleisen in funktionierenden Lebensraum verwandeln will. In Florida leitet Jaret Daniels, Kurator für Schmetterlinge am Florida Museum of Natural History, die Arbeit; sein Labor wählt die Pflanzen aus, zieht sie heran, pflanzt sie und überwacht ihr Gedeihen. Die ersten Anzeichen sind ermutigend: Das Team meldet ein gutes Anwachsen der Pflanzen und hat bereits Monarchfalter an den neuen Beständen beobachtet.
Der Grund für den Aufwand ist praktisch. Seidenpflanzen sind die einzigen Gewächse, an die Monarchfalter ihre Eier legen – ihre Raupen fressen nichts anderes und speichern die Giftstoffe der Pflanze, um für Fressfeinde ungenießbar zu werden. Da Landwirtschaft und Bebauung wilde Lebensräume schrumpfen lassen, bieten Straßenränder eine seltene, ohnehin bereits gepflegte Fläche. „Wir haben nicht genug Naturschutzflächen, um Bestäuberpopulationen dauerhaft zu erhalten“, sagt Daniels – also soll das ohnehin bewirtschaftete Land doppelten Nutzen bringen.
Auch staatliche Partner machen mit. 2024 schloss sich das Verkehrsministerium Floridas (FDOT) einer freiwilligen Schutzvereinbarung für den Monarchfalter an und verpflichtete sich, rund 10.200 Acre – etwa 41 Quadratkilometer – Straßenrandfläche bestäuberfreundlich zu bewirtschaften. Ein 2023 vergebener Zuschuss von 150.000 Dollar finanzierte zunächst 9.000 Seidenpflanzen über drei Jahre; er wurde inzwischen bis 2029 verlängert, um 6.000 weitere hinzuzufügen. Das Team bevorzugt robuste heimische Arten, die in Floridas sandigen Böden gedeihen.
Es geht um weit mehr als einen einzelnen Bundesstaat. Erwachsene Monarchfalter legen auf ihrem Zug mehr als 160 Kilometer an einem einzigen Tag zurück, und jeder blühende Straßenrand ist eine Gelegenheit zum Auftanken. Vervielfacht man solche Randstreifen über den Kontinent hinweg, erhält ein stark bedrohtes Insekt einen Korridor, der ihm eine echte Chance gibt.
