Zwei Jahre lang haben rund 30 Belugawale in einem Meerespark gelebt, der seine Tore längst nicht mehr öffnet. Jetzt haben sie endlich ein Ziel.

Die US-Ozean- und Atmosphärenbehörde NOAA hat eine Notrettung der Belugas genehmigt, die im Marineland of Canada im ontarischen Niagara Falls gestrandet sind. Der einst zu den größten Meeresparks des Landes zählende Betrieb stellte 2024 den Betrieb ein und kann nach Angaben der Behörden die langfristige Versorgung der Tiere nicht mehr gewährleisten. Die Genehmigung ebnet den Weg für eine abgestimmte, grenzüberschreitende Aktion, die seit Jahren vorbereitet wird.

Der Plan stützt sich auf Einrichtungen, die von der Association of Zoos and Aquariums akkreditiert sind. SeaWorld San Antonio, SeaWorld San Diego, das Shedd Aquarium in Chicago, das Georgia Aquarium und das Oceanogràfic im spanischen Valencia sollen Wale aufnehmen; das Mystic Aquarium in Connecticut leistet logistische Unterstützung, ohne selbst Tiere zu übernehmen. Die spanische Einrichtung wartet noch auf die nötigen Genehmigungen ihrer Regierung.

Ein behutsamer Umzug über Wochen

Niemand treibt die Belugas überstürzt auf Transporter. Zunächst reisen Pflegeteams nach Kanada, um den Gesundheitszustand jedes Wals zu prüfen und ihn auf die Reise vorzubereiten. Erst wenn kanadische Tierärzte ein Tier für reisefähig erklären, begleitet das Personal es in sein neues Zuhause, wo es eine kontrollierte Ernährung, überwachte Wasserqualität und eine tiermedizinische Rundumbetreuung erwartet. Die vollständige Umsiedlung dürfte mehrere Wochen dauern; Einzelheiten – auch, wie viele Wale letztlich an welchen Ort kommen – könnten sich im Verlauf noch ändern.

Belugas sind arktische Tiere, unverkennbar an ihrer weißen Färbung und der runden Stirn. Sie zählen zu den stimmfreudigsten und geselligsten Walen und können komplexe Laute und Verhaltensweisen erlernen – Eigenschaften, die eine dauerhafte Unterbringung in einer nicht mehr tragfähigen Anlage besonders belastend machen.

Warum das zählt: Die Rettung beendet nicht die grundsätzliche Debatte über die Haltung von Walen in Gefangenschaft. Doch für Tiere, die zwei Jahre in der Schwebe verbracht haben, ersetzt sie Ungewissheit durch einen konkreten Weg zu stabiler Betreuung – und zeigt, wie zwei Regierungen und konkurrierende Aquarien den Wettbewerb für ein gemeinsames Ziel des Tierwohls beiseitelegen.