Vor rund 150 Millionen Jahren schwang ein pflanzenfressender Riese, so lang wie ein Cricket-Feld, seinen gewaltigen Hals durch einen Wald der späten Jurazeit – dort, wo heute der Nordosten Thailands liegt. Nun haben Paläontologen dem Tier endlich einen Namen gegeben: Uragasaurus kalasinensis. Und damit füllen sie eine auffällige Lücke auf der Landkarte der Dinosaurierwelt.
Der Fund, veröffentlicht im Fachjournal Scientific Reports und am 8. Juli bekannt gegeben, stammt aus der Fundstätte Phu Noi in der Provinz Kalasin, einem der reichsten Fossillager Südostasiens. Aufmerksam wurde man auf den Ort schon 2008, als ein Einheimischer auf Bruchstücke stieß, die an Schlangenschuppen erinnerten. Seither hat die Stätte eine Fülle von Überresten aus dem späten Jura geliefert, überwiegend Dinosaurierknochen.
Bemerkenswert ist, auf wie wenig die Entdeckung fußt. Die Art ist von einem einzigen, außergewöhnlich gut erhaltenen Rückenwirbel bekannt. Ein CT-Scan offenbarte eine charakteristische, Y-förmige Anordnung knöcherner Leisten, sogenannter Laminae, die das Team um Dr. Apirut Nilpanapan von der Mahasarakham-Universität als einzigartig unter verwandten Dinosauriern beschreibt. Dieser eine Knochen genügte, um das Tier den Mamenchisauridae zuzuordnen – einer Familie von Sauropoden, die für ihre nahezu unwahrscheinlich langen Hälse berühmt ist.
Genau diese Hälse sind der Kern der Sache. Forschende schätzen, dass Uragasaurus von der Schnauze bis zum Schwanz 18 bis 20 Meter maß, wobei allein der Hals etwa die Hälfte davon ausmachte und zwischen 17 und 19 Wirbel zählte – wo die meisten Sauropoden mit 13 bis 15 auskommen. Voll aufgerichtet hätte das Tier über ein dreistöckiges Gebäude blicken können.
Warum das zählt
Bisher galten Mamenchisauriden fast als chinesische Signatur; ihre Fossilien häufen sich im Sichuan-Becken und traten anderswo nur selten auf. Uragasaurus ist das erste Mitglied der Familie, das in Thailand – und in ganz Südostasien – förmlich benannt wurde, und zugleich der fünfzehnte benannte Dinosaurier des Landes. Sein Name verbindet das Sanskrit-Wort uraga für Schlange mit dem griechischen sauros für Echse, eine Anspielung auf den ungewöhnlichen Hals; kalasinensis ehrt die Provinz des Fundes. Für die Wissenschaft verschiebt der Fund das bekannte Verbreitungsgebiet dieser langhalsigen Giganten und legt nahe, dass das südostasiatische Festland von jeher zu ihrer Welt gehörte – und dass Phu Noi noch längst nicht alles preisgegeben hat.
