Es begann 2007 mit einer schlichten Bitte im Internet: Astronomen dabei zu helfen, Aufnahmen von Galaxien schneller zu sortieren, als es ein einzelnes Forschungsteam je könnte. Fast zwei Jahrzehnte später hat dieses Experiment eine gewaltige Zahl erreicht. Zooniverse, die weltweit größte Plattform für bürgerwissenschaftliche Forschung, meldet, dass ihre Freiwilligen inzwischen eine Milliarde Klassifizierungen zu echten Forschungsprojekten beigetragen haben.
Die Zahl ist schwer vorstellbar. Die NASA, die einen Teil der Plattform finanziert, schätzt, dass eine Milliarde Klassifizierungen rund 2.000 Jahren Vollzeitarbeit entsprechen – zusammengesetzt aus den freien Minuten ganz gewöhnlicher Menschen rund um den Globus. Mehr als drei Millionen Freiwillige in 160 Ländern haben mitgemacht und dabei etwa einen Helligkeitsabfall eines Sterns markiert, ein bewegtes Objekt in einem kurzen Video bestätigt oder ein Tier in einer Kamerafalle bestimmt.
Zooniverse ging aus Galaxy Zoo hervor, dem ursprünglichen Projekt zum Sortieren von Galaxien, und wurde vom Adler Planetarium in Chicago und der Universität Oxford mitbegründet, mit der University of Minnesota als wichtigem Partner. Heute laufen dort gleichzeitig rund 60 bis 70 aktive Projekte, die nicht nur die Astronomie umfassen, sondern auch Ökologie, Klimaforschung, Biomedizin und Geschichte. Zusammen haben die Projekte mehr als 500 Forschungsvorhaben und über 550 begutachtete Veröffentlichungen unterstützt.
Der wissenschaftliche Ertrag ist konkret. Über Projekte wie Planet Hunters TESS halfen Freiwillige, Exoplaneten aufzuspüren; andere meldeten erdnahe Asteroiden, fahndeten nach lichtschwachen Braunen Zwergen und unterstützten mit der Bestimmung von Tieren auf Wildkamera-Aufnahmen das Management von Wildbeständen. Die NASA zählt 31 von ihr seit 2020 geförderte Projekte auf der Plattform, die 120 Millionen Klassifizierungen beisteuerten und zu fast 100 wissenschaftlichen Arbeiten beitrugen – viele davon mitverfasst von den Freiwilligen selbst.
„Eine Milliarde Klassifizierungen ist weit mehr als eine Zahl", sagte Laura Trouille, wissenschaftliche Leiterin der Plattform und Vizepräsidentin am Adler Planetarium. „Es sind eine Milliarde Momente der Neugier, verwandelt in bedeutsame Beiträge zur Forschung." Der Meilenstein folgt kurz auf einen weiteren: Anfang des Jahres überschritt Zooniverse die Marke von drei Millionen registrierten Freiwilligen – eine Erinnerung daran, dass ein gutes Stück der schwersten Arbeit der modernen Wissenschaft Klick für Klick von der Öffentlichkeit geleistet wird.
