Ein privates Auto steht im Schnitt rund 23 Stunden am Tag ungenutzt herum. Was, wenn es diese Zeit nutzen würde, um sich selbst mit Strom zu versorgen? Genau diese Frage hat das europäische Forschungsprojekt SolarMoves untersucht – mit Ergebnissen, die der Elektromobilität eine überraschend große zusätzliche Energiequelle in Aussicht stellen.
Unter Federführung des Fraunhofer-Instituts für Solare Energiesysteme (ISE) in Freiburg hat das Team fahrzeugintegrierte Photovoltaik (VIPV) analysiert – also Solarzellen, die direkt in Dach, Motorhaube und Seitenteile eingelassen werden. Das Ergebnis: In Mitteleuropa könnten Pkw so bis zu 55 Prozent ihres jährlichen Strombedarfs selbst erzeugen, in den sonnenreicheren Ländern Südeuropas sogar bis zu 80 Prozent. Grundlage sind reale Fahrdaten von 23 Fahrzeugtypen – vom Kleinwagen bis zum schweren Lkw –, kombiniert mit Satelliten- und Wetterdaten und insgesamt 1,3 Millionen ausgewerteten Kilometern.
Entlastung fürs Netz, Gewinn für die Logistik
Der Nutzen reicht über das einzelne Fahrzeug hinaus. Würden alle zwischen 2024 und 2030 neu verkauften Fahrzeuge mit Solarzellen ausgestattet, könnte der Strombedarf aus dem europäischen Netz bis 2030 um 15,6 Terawattstunden sinken – so viel, wie rund 2200 Onshore-Windräder jährlich erzeugen. Weil Solarautos einen Teil ihres Stroms unterwegs selbst tanken, sinken zugleich die Ladekosten und der Bedarf an öffentlicher Ladeinfrastruktur.
Am meisten profitieren dürfte laut Studie der Güterverkehr. Lieferwagen, Lkw und Anhänger bieten große Dachflächen und haben zugleich hohen Strombedarf für Kühlung, Heizung und Nebenaggregate. Solarmodule auf dem Dach eines Sattelaufliegers liefern im Sommer bis zu 55 Kilowattstunden pro Tag; kommen Module an den Seitenwänden hinzu, sind es 90 bis 110 Kilowattstunden – genug, um Kühlaggregate oder Hydraulik vollständig zu versorgen. Die tägliche Reichweite von E-Lkw könnte sich um bis zu 15 Prozent erhöhen.
„Elektrifizierung allein reicht nicht. Wir brauchen Innovationen, die den Energiebedarf strukturell senken“, sagt Lenneke Slooff-Hoek, Projektleiterin beim beteiligten Forschungspartner TNO. Selbst in Dieselfahrzeugen könnten die Zellen Klimaanlage und Nebenverbraucher speisen und so Kraftstoff sparen – nach Angaben des Projekts amortisiert sich die Technik dann in weniger als zwei Jahren. Beteiligt waren neben Fraunhofer ISE unter anderem TNO, Sono Motors, IM Efficiency und Lightyear.
