Für eine Form von Lungenkrebs, die lange als praktisch nicht behandelbar galt, zeichnet sich erstmals ein gezielter Therapieansatz ab. Ein Team um den Onkologen Colin Lindsay vom Christie NHS Foundation Trust und die Zellbiologin Angeliki Malliri von der University of Manchester hat einen Weg gefunden, Tumoren mit einer seltenen Variante des KRAS-Gens direkt anzugreifen. Die Ergebnisse erschienen im Fachjournal Cancer Discovery.

Das KRAS-Gen wirkt in gesunden Zellen wie ein Schalter, der die Zellteilung an- und abschaltet. Bleibt es durch eine Mutation dauerhaft im Zustand „An", sendet das zugehörige Protein ununterbrochen Wachstumssignale – Tumoren entstehen. Beim nicht-kleinzelligen Lungenkrebs (NSCLC), der laut den Forschenden für rund ein Fünftel aller Krebstoten weltweit verantwortlich ist, zählen solche KRAS-Defekte zu den häufigsten Auslösern.

Während sich die verbreitete Mutation KRAS-G12C inzwischen medikamentös bremsen lässt, blieben die selteneren Veränderungen am sogenannten Codon 13 – darunter KRAS-G13C – bislang außen vor. Sie machen nur etwa fünf bis sieben Prozent der KRAS-getriebenen Lungenkarzinome aus, treten aber oft gemeinsam mit weiteren aggressiven Mutationen in Genen wie BRAF, NF1, STK11 und KEAP1 auf, die das Tumorwachstum zusätzlich anheizen.

Genau hier setzt der experimentelle Wirkstoff RMC-8839 an, den das Team gemeinsam mit dem US-Biotechunternehmen Revolution Medicines untersuchte. Das Molekül ist passgenau auf KRAS-G13C zugeschnitten und legt dort die Wachstumssignale lahm. Im Labor stoppte es die Aktivierung des mutierten Proteins und bremste das Wuchern der Krebszellen.

Als besonders folgenreich erwies sich eine zweite Beobachtung: Tumoren mit Codon-13-Mutation reagierten ungewöhnlich empfindlich auf Chemotherapie. Kombinierten die Forschenden RMC-8839 mit einer solchen Behandlung, schrumpften die Geschwülste in präklinischen Krebsmodellen drastisch – teils verschwanden sie vollständig.

Noch stammen die Daten aus Zell- und Tiermodellen; klinische Studien am Menschen müssen den Nutzen erst bestätigen. Die Arbeitsgruppe rechnet jedoch damit, dass der Schritt in die Klinik vergleichsweise rasch gelingen könnte. Weltweit könnten den Schätzungen zufolge jährlich rund 11.400 Menschen profitieren, deren Lungenkrebs auf eine Codon-13-Mutation zurückgeht – ein weiterer Baustein der Präzisionsonkologie, die Therapien am genetischen Profil des Tumors ausrichtet statt allein am betroffenen Organ.