Bei Patientinnen und Patienten, deren Leiden stark von der Ernährung abhängt, können die richtigen Lebensmittel fast wie ein Rezept wirken. Eine neue Auswertung des Medicaid-Programms von Massachusetts beziffert diesen Gedanken nun: Wer fertige, von Ernährungsfachkräften geplante Mahlzeiten nach Hause geliefert bekam, musste deutlich seltener ins Krankenhaus als vergleichbare Patienten ohne dieses Angebot.
Die im Fachjournal »Nature Medicine« veröffentlichte Studie begleitete Medicaid-Versicherte mit ernährungssensiblen Erkrankungen wie Diabetes, Herzschwäche, chronischem Nierenleiden und Depressionen. Wer am Mahlzeitenprogramm teilnahm, hatte 31 Prozent weniger Krankenhausaufenthalte und 20 Prozent weniger Notaufnahmebesuche als eine vergleichbare Gruppe ohne diese Versorgung.
Fast von selbst finanziert
Das finanzielle Bild war fast so bemerkenswert wie das gesundheitliche. Die Pro-Kopf-Kosten der Versorgung sanken in den rund sechs Monaten der Belieferung um durchschnittlich 3433 Dollar – genug, um 98 Prozent der Programmkosten auszugleichen. Forschende des Food-is-Medicine-Instituts der Tufts University werteten dafür gemeinsam mit der UMass Chan Medical School, der Bostoner Non-Profit-Organisation Community Servings und mehreren Klinikverbünden Medicaid-Daten der Jahre 2020 bis 2023 aus elf Gesundheitssystemen in Massachusetts aus.
Die Mahlzeiten sind keine gewöhnlichen Lebensmittelpakete. Jede ist fertig zubereitet, wird nach Hause geliefert und von einer Ernährungsfachkraft auf den medizinischen Bedarf des Einzelnen zugeschnitten – Teil eines umfassenderen Ansatzes, der Ernährung als medizinische Behandlung begreift und nicht als Wohltätigkeit.
Massachusetts war der erste Bundesstaat, der solche Mahlzeiten breit über Medicaid anbot – jenes Programm, das rund 71 Millionen einkommensschwache und behinderte US-Amerikaner absichert. Mindestens ein Dutzend Staaten erproben inzwischen eigene Modelle, und die neuen Ergebnisse liefern ihnen den ersten großen Praxisbeleg, dass der Ansatz funktioniert.
»Unsere Ergebnisse zeigen, dass Essen tatsächlich Medizin ist«, sagte Seniorautor Dr. Dariush Mozaffarian, Kardiologe und Direktor des Food-is-Medicine-Instituts. Für die Betroffenen ist der Gewinn noch einfacher: weniger Fahrten in die Notaufnahme – und mehr gesunde Tage zu Hause.
