Bei der chronisch-entzündlichen Darmerkrankung Morbus Crohn zielen viele Therapien darauf, die Entzündung im Darm zu bremsen. Doch gängige Antibiotika treffen dabei auch nützliche Mikroben und schwächen ein ohnehin aus dem Gleichgewicht geratenes Mikrobiom weiter. Ein Team der McMaster University im kanadischen Hamilton geht nun einen deutlich gezielteren Weg – und lässt die Bakteriengemeinschaft im Darm dabei weitgehend intakt.
Im Zentrum steht eine Gruppe von Escherichia-coli-Bakterien, die als adhärent-invasiv (AIEC) bezeichnet werden. Sie heften sich an die Darmwand, dringen in Zellen ein und befeuern so die Entzündung, die für viele Betroffene mit Durchfällen und krampfartigen Schmerzen einhergeht. Statt diese Erreger abzutöten, entwaffneten die Forschenden sie mithilfe eines Bakteriophagen – eines Virus, das nur ganz bestimmte Bakterien befällt.
Ein Schlüssel-Schloss-Prinzip
Der eingesetzte Phage mit der Bezeichnung HER259 legt bei den Bakterien einen genetischen Schalter namens fimS um. Dadurch verlieren die Keime die Fähigkeit, sich an die Darmzellen zu klammern und in sie einzudringen – sie bleiben zwar vorhanden, richten aber kaum noch Schaden an. Zog das Team den Phagen wieder ab, sprang der Schalter zurück und die Entzündung kehrte im Tiermodell zurück. Bei Mäusen mit Darmentzündung klang die Erkrankung unter der Behandlung ab; zugleich sprachen die Tiere besser auf eine niedrig dosierte Kortison-Therapie an, was die Nebenwirkungen solcher Mittel verringern könnte.
Die Arbeit, die im Fachjournal Science Translational Medicine erschien und es dort auf die Titelseite schaffte, entstand aus der Zusammenarbeit von Mikrobiom-Fachleuten um Elena Verdu und der auf Phagen spezialisierten Arbeitsgruppe von Zeinab Hosseinidoust.
Noch handelt es sich um eine Studie an Mäusen; bis zu einer Anwendung am Menschen sind klinische Prüfungen nötig. Doch der Ansatz ist aus mehreren Gründen vielversprechend: Chronisch-entzündliche Darmerkrankungen nehmen weltweit zu – allein in Kanada sind rund 300.000 Menschen betroffen, mit besonders hohen Raten bei Kindern. Und weil sich die entscheidende bakterielle Eigenschaft in Stuhlproben messen lässt, könnte sich künftig gezielt bestimmen, welche Patientinnen und Patienten von einer solchen Phagentherapie am ehesten profitieren.
