Long Covid gilt als schwer behandelbar: chronische Erschöpfung, Muskelschmerzen, Gedächtnisstörungen und Kurzatmigkeit begleiten viele Betroffene über Jahre, ohne dass es ein zugelassenes Heilmittel gäbe. Nun liefert eine britische Studie erstmals belastbare Hinweise, dass sich zumindest die Fatigue mit einfachen, längst verfügbaren Wirkstoffen ein Stück weit lindern lässt.
Ein Team um Amitava Banerjee vom University College London und Melissa Heightman von den University College London Hospitals untersuchte knapp 800 Erwachsene, die im Schnitt seit mehr als einem Jahr unter schwerer Erschöpfung litten und nicht im Krankenhaus behandelt worden waren. In zwölf spezialisierten Kliniken zwischen Hull, den schottischen Highlands, Leicester und London erhielten sie zwölf Wochen lang entweder die übliche Fachbetreuung allein oder zusätzlich eines von drei Medikamenten: die Antihistaminika-Kombination Famotidin/Loratadin, den Gicht-Entzündungshemmer Colchicin oder den Blutverdünner Rivaroxaban. Die Ergebnisse erschienen im Fachjournal „The Lancet Infectious Diseases“.
Bemerkenswert war zunächst ein Effekt, der alle Gruppen betraf: Auf einer 40-Punkte-Skala besserte sich die Erschöpfung im Mittel um 4,3 Punkte – auch bei jenen, die kein Prüfmedikament erhielten. „Es ist ermutigend, dass die Betroffenen in allen Studienarmen eine deutliche Verringerung ihrer Fatigue verspürten“, sagt Heightman. Angesichts der langen und schweren Vorgeschichte sei das mehr, als der reine Zeitverlauf erklären könne – und ein Beleg für den Wert einer integrierten, auf die einzelnen Betroffenen zugeschnittenen Versorgung.
Ein kleines, aber aussagekräftiges Signal
Über diese allgemeine Besserung hinaus zeigte sich ein zusätzlicher Nutzen bei zwei Wirkstoffen: Wer das Antihistaminikum oder Colchicin einnahm, verzeichnete nach zwölf Wochen noch einmal rund 1,5 Punkte weniger Erschöpfung. Der Effekt hielt jedoch nicht an, nachdem die Teilnehmenden die Mittel abgesetzt hatten; nach 24 Wochen war er verschwunden. „Diese Medikamente allein sind wahrscheinlich nicht die Antwort auf die Long-Covid-Fatigue“, ordnet Banerjee ein. Beide Wirkstoffe greifen in das Immunsystem ein, weshalb sie womöglich die bei Long Covid vermutete Fehlregulation der Immunabwehr berühren – der genaue Mechanismus müsse aber weiter erforscht werden.
Der Blutverdünner Rivaroxaban brachte dagegen keinen Vorteil gegenüber der reinen Fachbetreuung. Das ist durchaus aufschlussreich, da Gerinnungsstörungen und Mikrothrombosen als mögliche Ursache von Long Covid diskutiert werden; für den Einsatz von Gerinnungshemmern liefere die Studie jedoch keine Argumente, so Banerjee.
Für die Forschenden liegt der eigentliche Fortschritt darin, dass sich Long Covid nun wie jede andere Krankheit in großen, kontrollierten Studien prüfen lässt. Schon kleine Effekte sicherer, günstiger und breit verfügbarer Medikamente seien wertvoll, betont Danny McAuley vom NIHR: Jedes Signal helfe, die immunologischen und entzündlichen Prozesse hinter der Erkrankung besser zu verstehen und gezieltere Therapien für künftige Studien zu entwickeln.