Garnelen und tropische Fische, aufgezogen im hohen Norden Schwedens – geheizt mit der Abwärme eines Kraftwerks, das seine Energie sonst ungenutzt an die Umgebung abgeben würde. Was zunächst nach einem Widerspruch klingt, wird im nordschwedischen Umeå gerade zum Forschungsprojekt. Ein Team der Universität Umeå entwickelt dort eine geschlossene Fischzuchtanlage an Land, die Ressourcen im Kreis führt statt sie zu verbrauchen.
Der Hintergrund ist ein bekanntes Umweltproblem: Überfischung setzt marinen Ökosystemen zu, verlorene Fanggeräte tragen zu einem erheblichen Teil des Plastikmülls im Meer bei, und Abwässer offener Zuchtanlagen können Algenblüten auslösen. Landbasierte Anlagen in geschlossenen Becken umgehen viele dieser Risiken – vorausgesetzt, sie werden klug gebaut. Genau hier setzt das Vorhaben an.
Herzstück ist das Prinzip der multitrophischen Zucht: Mehrere Arten auf verschiedenen Stufen der Nahrungskette leben zusammen, sodass die Ausscheidungen der einen zur Nahrungsgrundlage der anderen werden. Das Wasser fließt durch aufeinanderfolgende Becken; in jeder Stufe wandeln Mikroorganismen die Reststoffe in neue Nährstoffe um – ein optimiertes Ökosystem im Miniaturformat. Geleitet wird die Forschung von Olivier Keech vom Umeå Plant Science Centre, der das Verfahren schon vor rund zehn Jahren erstmals erprobte.
Warum das zählt
Den entscheidenden Kniff liefert die Wärme. Die Anlage soll mit der überschüssigen Wärme des Heizkraftwerks von Umeå betrieben werden, die als Luft und als Flüssigkeit abgegriffen und über das Fernwärmenetz eingespeist wird. Weil Zimmertemperatur einem tropischen Klima nahekommt, lassen sich damit Arten wie Tilapia und Garnelen halten, die sonst aus Südostasien oder Lateinamerika importiert werden müssten. Lokale Produktion spart die langen Transportwege – und die genutzte Abwärme senkt den Heizaufwand zusätzlich.
Finanziert wird das Projekt über das EU-Forschungsprogramm Horizon Europe, getragen von der Universität Umeå gemeinsam mit der Stadt Umeå, dem Energieversorger Umeå Energi und dem Forschungsinstitut RISE. Ein digitaler Zwilling soll die Wärme- und Wasserströme optimieren. Für das Frühjahr sind erste Versuche im kleinen Maßstab geplant; innerhalb eines Jahres soll daraus eine größere Pilotanlage wachsen. Gelingt der Nachweis, könnte sich eine ganze Region eines Tages selbst mit Fisch und Garnelen versorgen – klimafreundlicher als heute.