Es ist eine Zahl, die vor zwanzig Jahren utopisch geklungen hätte: null. Zwischen 2020 und 2024 ist in England keine einzige Frau im Alter von 20 bis 24 Jahren an Gebärmutterhalskrebs gestorben – zum ersten Mal, seit solche Daten erhoben werden.
Zu diesem Ergebnis kommt eine im Fachblatt The Lancet veröffentlichte Auswertung. Die Forschenden um Peter Sasieni und Milena Falcaro von der Queen Mary University of London werteten jeden dokumentierten Todesfall durch Gebärmutterhalskrebs bei Frauen zwischen 20 und 34 Jahren aus – von 2001 bis 2024. Mithilfe eines statistischen Modells verglichen sie die tatsächlichen Sterbefälle mit jenen, die ohne Impfung zu erwarten gewesen wären.
Der Effekt ist bei den Jüngsten am größten
Am deutlichsten zeigt sich der Nutzen bei den Frauen, die als 12- oder 13-Jährige geimpft wurden – also bevor sie sich überhaupt anstecken konnten. Rund neun von zehn dieser Jahrgänge nahmen die Impfung an. Ohne sie, so die Schätzung der Studie, wären allein in dieser Gruppe etwa 23 Frauen gestorben. Insgesamt habe das englische Programm bislang rund 200 Todesfälle verhindert.
Fast alle Fälle von Gebärmutterhalskrebs gehen auf humane Papillomviren (HPV) zurück, eine der häufigsten sexuell übertragbaren Infektionen. Der Schutz wirkt am besten, wenn er vor dem ersten Kontakt mit dem Erreger aufgebaut wird – deshalb wird früh geimpft.
Die Autorinnen und Autoren betonen, dass die Bilanz erst der Anfang ist: Weil Gebärmutterhalskrebs meist erst in höherem Alter tödlich wird, dürfte die Zahl der geretteten Leben in den kommenden zwei Jahrzehnten stark steigen, wenn die geimpften Jahrgänge älter werden.
In Deutschland bleibt Luft nach oben
Der Erfolg hängt allerdings an hohen Impfquoten – und die geraten selbst in England ins Rutschen. In Deutschland sind sie ohnehin niedriger: Nach Angaben des Robert Koch-Instituts sind nur etwa 55 Prozent der 15-jährigen Mädchen und 36 Prozent der gleichaltrigen Jungen vollständig geimpft. Für eine Herdenimmunität wären rund 80 Prozent nötig.
Die Ständige Impfkommission empfiehlt die gut verträgliche und von den Kassen bezahlte Impfung im Alter von 9 bis 14 Jahren. HPV verursacht in Deutschland jährlich rund 8.000 schwere Krebserkrankungen, an denen etwa 2.000 Menschen sterben. Fachleute plädieren für Einladungs- und Erinnerungssysteme sowie Impfangebote direkt an Schulen – Modelle, die in England und Skandinavien längst greifen.