Wer sich in Hamburg vorab registriert hat, kann seit dem 15. Juli etwas tun, das in Deutschland bislang niemandem offenstand: per App einen Kleinbus rufen, der ohne Zutun eines Fahrers durch den Stadtverkehr steuert. Der VW-Ableger Moia setzt dafür zunächst bis zu zehn batterieelektrische ID. Buzz ein, unterwegs in Teilen von Winterhude, Barmbek und Wandsbek. In der Testphase kosten die Fahrten nichts.

Neu ist dabei weniger die Technik als der Zugang. Autonome Fahrten habe es bei Moia auch vorher schon gegeben, räumte ein Unternehmenssprecher ein – nur eben nicht für die Öffentlichkeit. Ursprünglich war der Start mit Passagieren für Mitte 2025 angekündigt worden.

Am Steuer sitzt weiterhin ein geschulter Mensch, der jederzeit übernehmen kann, und das ist keine Formalie: Berichten zufolge musste ein Sicherheitsfahrer bereits eingreifen, etwa als ein Shuttle auf einen Zebrastreifen zufuhr, den gerade Fußgänger überqueren wollten. Die Fahrzeuge stützen sich auf ein System des Intel-Beteiligungsunternehmens Mobileye, das Kameras, Radar und Lidar zu einem 360-Grad-Bild verrechnet und für Automatisierungsgrad 4 in einem fest umrissenen Gebiet ausgelegt ist.

Ergänzung, nicht Ersatz

Der Testbetrieb gehört zum Projekt ALIKE, das der Bund über 36 Monate mit 26 Millionen Euro fördert. Beteiligt sind neben Moia die Hamburger Hochbahn, VW Nutzfahrzeuge, der Hersteller Holon und das Karlsruher Institut für Technologie, das untersuchen soll, was das Angebot mit bestehenden Buslinien und dem Taxigewerbe macht. Das Bediengebiet umfasst rund 37 Quadratkilometer; gebucht wird über die Moia-App, demnächst auch über hvv switch. Gedacht ist das Ganze als Zubringer zu Bus und Bahn, nicht als deren Konkurrenz – die Hoffnung der Partner ist, Menschen aus dem eigenen Auto zu holen.

Bemerkenswert ist, wie stark die Erwartungen inzwischen gedämpft sind. Hamburgs Verkehrsbehörde hatte 2023 noch bis zu 10.000 autonome Fahrzeuge bis 2030 in Aussicht gestellt; einem Bericht der „Welt“ zufolge rechnet sie mittlerweile nur noch mit einigen Hundert. Ende 2026 soll der Dienst schrittweise mit reduziertem Fahrereingriff weiterlaufen. Wann Fahrten ganz ohne Sicherheitsfahrer möglich sind, entscheiden die Genehmigungsbehörden. Auch andere arbeiten in Hamburg daran: Die Hochbahn und die Verkehrsbetriebe Hamburg-Holstein verfolgen ähnliche Pläne, Freenow will autonome Taxis anbieten.