Grossbritanniens groesster einheimischer Schmetterling, der Schwalbenschwanz Papilio machaon britannicus, ueberlebt nur an einem einzigen Rueckzugsort: den schilfgesaeumten Feuchtgebieten der Norfolk Broads, wo seine Raupen kaum etwas anderes fressen als die seltene Sumpfpflanze Milchdolde. Eine neue genetische Studie zeichnet dieses fragile Insekt nun nicht als juengen Ableger, sondern als eigenstaendige, tief verwurzelte Linie.

Bei der Sequenzierung des gesamten Erbguts fanden die Forschenden, dass sich britannicus vor mindestens 200.000 Jahren von seinen europaeischen Verwandten trennte – moeglicherweise sogar vor bis zu 1,7 Millionen Jahren. Das widerlegt die lange vertretene Annahme, er habe seine kleinere, dunklere Gestalt erst in den vergangenen 8.000 Jahren angenommen, nachdem steigende Meere die Landbruecke Doggerland ueberflutet hatten. Die in Insect Conservation and Diversity veroeffentlichte Arbeit setzte auf eine bewusst schonende Methode: Die Fachleute schnitten lebenden Faltern in den Broads ein einziges Vorderbein ab und liessen sie danach unversehrt frei.

Das Erbgut offenbart zugleich, wie prekaer die Population ist. Britannicus traegt rund ein Fuenftel weniger genetische Vielfalt als kontinentale Schwalbenschwaenze und stammt von einer etwa neunmal kleineren Gruppe ab, mit deutlichen Spuren von Inzucht. Entscheidend jedoch: Das Team fand keine Anhaeufung schaedlicher Mutationen – die Population ist also fragil, aber nicht verloren.

Warum das zaehlt

Die Ergebnisse fallen mitten in eine Naturschutzdebatte. Manche hatten dafuer plaediert, den haeufigeren kontinentalen Schwalbenschwanz in Grossbritannien anzusiedeln – ein Schritt, der die einheimische Form durch Kreuzung verschwinden lassen koennte. Die Autoren halten dagegen, britannicus sei ein wirklich eigenstaendiges Stueck Naturerbe, das eigene Anstrengungen verdiene. „Wir duerfen nicht zulassen, dass er ausgeloescht wird“, sagte Mitautor Mark Collins. Da die Erderhitzung den Meeresspiegel Richtung seines Suesswasser-Lebensraums treibt, liefert die Studie dem Naturschutz ein schaerferes, faktenbasiertes Argument, diesen uralten Briten am Leben zu halten.