Archäologen haben am Westufer von Luxor ein Privatgrab geöffnet, auf dessen bemalten Wänden der Besitzer noch immer die Götter verehrt und mit seiner Frau zu Tisch sitzt. Inschriften nennen seinen Namen: Paser. Die in den Fels geschlagene Kapelle stammt aus der Ramessidenzeit, also von vor rund drei Jahrtausenden.
Bekannt gegeben wurde der Fund vom ägyptischen Ministerium für Tourismus und Altertümer; gemacht hat ihn eine niederländische Mission der Universität Leiden in der Nekropole Scheich Abd el-Qurna, einem Teil des weitläufigen thebanischen Gräberfelds gegenüber dem heutigen Luxor. Hisham El-Leithy, Generalsekretär des ägyptischen Obersten Rats für Altertümer, sagte, die Inschriften wiesen Paser als Eigentümer des Grabes aus.
Die Datierung stützt sich auf den künstlerischen Stil der Ausschmückung, nicht auf eine eingemeißelte Jahreszahl: Fachleute ordnen das Grab der Ramessidenzeit zu, die Ägyptens 19. und 20. Dynastie umfasst – jene Epoche, zu der auch Ramses II. zählte. Der Grundriss stützt diese Lesart. Ein offener Vorhof führt in eine Kapelle, die in Form eines umgekehrten »T« in den Fels getrieben wurde, mit Grabkammern unterhalb des Bodenniveaus – der übliche Aufbau thebanischer Privatgräber des Neuen Reichs, das herkömmlich auf 1570 bis 1069 v. Chr. datiert wird. Das Grab liegt östlich einer bereits bekannten Grabstätte.
Was überdauert hat – und was nicht
Ein Teil der Architektur hat die Jahrhunderte unversehrt überstanden. Im Vorhof fand das Team eine Bank aus Lehmziegeln, die eine steinerne Grabstele tragen sollte – die Stele selbst fehlt, sofern je eine darauf stand – sowie eine Treppe, die von schrägen Rampen flankiert zum Eingang führt. Im Inneren zeigen die Fresken Paser vor Göttern in ihren Schreinen und, auf einer zweiten Tafel, sitzend neben seiner Frau an einem Opfertisch.
Wer dort tatsächlich bestattet wurde, ist unklar. Die Kammern darunter könnten über Paser hinaus mehrere Menschen bergen; das Team kündigte an, Dokumentation und Untersuchung fortzusetzen, um sie zu identifizieren und den historischen Kontext des Grabes zu klären.
Das Grab ist kein isolierter Fund. Es tauchte im Zuge eines Surveys auf, den Carina van den Hoven seit 2018 leitet und der Ausgrabung mit vorausschauender Konservierung verbindet. Ziel ist die erste umfassende archäologische Erfassung des unteren Scheich Abd el-Qurna, eines der wichtigsten Bestattungsareale der thebanischen Nekropole. Eine Studie in Vorbereitung soll neues Licht auf das Gebiet werfen und darauf, wie seine Gräber zueinander in Beziehung stehen.
Hinzu kommt eine praktische Dimension: Ägypten wirbt mit neuen archäologischen Funden für den Tourismus, eine wichtige Devisenquelle – und Luxor mit einigen der bedeutendsten antiken Monumente der Welt steht dabei im Zentrum.
