Eine Bibliothek, die ausschließlich Bücher versammelt, die anderswo aus Regalen verbannt wurden: Diese Idee hat die Sängerin Dua Lipa gemeinsam mit der traditionsreichen Buchhandlung Livraria Lello im portugiesischen Porto verwirklicht. Die neue „Manifesto Library“ ist die erste feste Einrichtung ihres Leseclubs Service95 und wurde Ende Juni zum Auftakt des Literaturfestivals BABELL – City of Books eröffnet.

Rund 100 Titel stehen dort dauerhaft bereit – allesamt Werke, die irgendwo auf der Welt verboten, aus Lehrplänen gestrichen oder aus öffentlichen Büchereien entfernt wurden. Geordnet sind sie nach vier Leitbegriffen: Macht, Kontrolle, Stimme und Erinnerung. Unter den Büchern finden sich Klassiker wie Margaret Atwoods „Der Report der Magd“, Franz Kafkas „Der Prozess“, Alice Walkers „Die Farbe Lila“ und Salman Rushdies „Die satanischen Verse“ – Bücher, die häufig wegen Themen wie Rassismus, Sexualität oder Kritik an Machtstrukturen ins Visier von Zensur gerieten.

„Diese Bibliothek ist Büchern gewidmet, die verschwunden sind, und Autorinnen und Autoren, deren Mut die Strukturen von Macht und Kontrolle entlarvt“, erklärte Dua Lipa zur Eröffnung. Ihren Platz hat die Sammlung im neuen Kulturauditorium der Livraria Lello, das der mit dem Pritzker-Preis ausgezeichnete Architekt Álvaro Siza gestaltet hat.

Der Anlass ist alles andere als abstrakt. Buchverbote nehmen weltweit wieder zu: Allein in den USA wurden im Jahr 2025 nach Angaben der American Library Association und des Autorenverbands PEN America mehr als 5.600 Bücher verboten oder in ihrem Zugang beschränkt – oft solche, die sich mit Identität, Geschichte oder gesellschaftlicher Ungleichheit auseinandersetzen.

Warum gerade Literatur so oft ins Visier gerät, liegt für viele Fachleute auf der Hand: Bücher eröffnen andere Perspektiven, regen zum Nachdenken an und stellen bestehende Verhältnisse infrage. Genau darin sehen Initiativen wie die Manifesto Library ihren Auftrag – den Zugang zu solchen Texten offenzuhalten. Für Dua Lipa ist das Projekt kein einmaliges Engagement: Im Herbst kuratiert sie das Londoner Literaturfestival am Southbank Centre und will das Thema weitertragen.