Rund ein Zehntel des Weltozeans steht heute unter irgendeiner Form von Schutzzusage. Weit weniger davon wird tatsächlich verwaltet, überwacht oder bezahlt. Genau diese Lücke — zwischen der Zusage und dem Patrouillenboot — will Bloomberg Philanthropies mit einer Zusage über 260 Millionen Dollar schließen, angekündigt bei der Earthshot Prize Impact Assembly in London.
Das Geld kommt in einem besonderen Moment. Das Hochseeschutzabkommen der Vereinten Nationen, über mehr als zwei Jahrzehnte verhandelt, sicherte auf dem Papier die Möglichkeit, kritische Lebensräume zu schützen. Was ihm fehlte, war ein Budget. Viele der Länder mit dem größten Meeresanteil — kleine Insel- und Küstenstaaten — haben weder die Juristen noch die Kontrollkapazität noch die langfristige Finanzierung, um aus einer Unterschrift ein geschütztes Riff zu machen.
„Unsere neue Zusage markiert die nächste Phase der Bloomberg Ocean Initiative", sagte Patricia E. Harris, die Vorstandschefin der Organisation. „Über die Jahre haben wir wichtige Fortschritte beim Schutz unseres Ozeans gemacht, aber wir haben noch einen weiten Weg vor uns."
Wohin die Viertelmilliarde fließt
Ein großer Teil zielt auf Korallen. Mehr als 50 Renaturierungsprojekte sind in Meeresschutzgebieten geplant, die von marinen Hitzewellen, Verschmutzung und schweren Stürmen zugerichtet wurden — zusammen 165.922 Quadratkilometer in 71 Ländern und 99 Territorien; die Marshallinseln, Mexiko und das Vereinigte Königreich zählen zu den jüngsten Zugängen. Als weitere Prioritäten wurden Wanderkorridore des Thunfischs und Tiefsee-Ökosysteme benannt.
Ein zweiter Strang ist Sichtbarkeit. Satellitenortung, öffentliche Datenplattformen und künstliche Intelligenz sollen ausgebaut werden, um Fischereiaktivität lesbar zu machen — die Voraussetzung dafür, überhaupt jemanden zur Rechenschaft ziehen zu können. Ein dritter finanziert die fachliche, juristische und politische Kapazität, die kleine Staaten brauchen, um in globalen Foren zu verhandeln und das Vereinbarte anschließend umzusetzen.
Den Hintergrund bildet das globale Ziel, bis 2030 dreißig Prozent des Ozeans zu schützen. Mit der Zusage steigen die gesamten Meeresschutz-Ausgaben von Bloomberg Philanthropies auf 635 Millionen Dollar. Nach eigenen Angaben hat die Initiative den Schutz von 11,3 Millionen Quadratmeilen Ozean und mehr als 70 Korallenriffen gestärkt sowie 280 Regelwerke gegen Überfischung und andere Bedrohungen vorangebracht.
Henry Paulson Jr., Vorsitzender des Paulson Institute, fasste den Einsatz in ökonomische Begriffe. „Fischerei, Küsteninfrastruktur und marine Ökosysteme tragen Wirtschaftsleistung in Billionenhöhe, und sie alle sind bedroht", sagte er. „Es ist nicht zu spät umzusteuern. Wir haben das Wissen und die Fähigkeit zu handeln; gefehlt haben bislang die dauerhafte Investition und die Regierungskapazität, um daraus greifbaren Schutz zu machen."
