Im Distrikt Satkhira im Südwesten Bangladeschs hat eine Schule ein zweites Leben begonnen. Tagsüber unterrichtet sie Schülerinnen und Schüler; im Katastrophenfall wird sie zur Zuflucht. Die Baradal Aftab Uddin Collegiate School beherbergt nun die erste „Adaptation Fortress" des Landes – ein solarbetriebenes Gebäude, das Menschen vor zwei Gefahren schützen soll, die zunehmend gemeinsam auftreten: extremer Hitze und tropischen Wirbelstürmen.

Die Idee greift eine vertraute Infrastruktur neu auf. Jahrzehntelang verließ sich das küstennahe Bangladesch bei akuten Notlagen auf Zyklon-Schutzräume. Die neue Anlage macht daraus einen ganzjährigen Gemeinschaftsort. Bei staatlich ausgerufenen Hitzenotständen kann sie bis zu 200 Menschen in vier klimatisierten Räumen mit sauberem Trinkwasser kühlen; als Sturmschutz fasst sie bis zu 500 Personen. Solarpaneele auf dem Dach und Batteriespeicher halten den Betrieb aufrecht, wenn das Netz ausfällt, Regenwasser wird vor Ort aufgefangen, und überschüssiger Strom kommt der Nachbarschaft zugute.

Der Bedarf ist gewaltig. Hitzewellen können die Temperaturen in der Region auf 44 Grad Celsius treiben – ein Niveau, bei dem der Schatten eines Baumes oder das Ufer eines Teiches, die herkömmlichen Wege der Abkühlung, den Körper nicht mehr schützen. Rund 30 Millionen Menschen leben im Südwesten Bangladeschs, gefangen in einem sich verschärfenden Kreislauf aus Wirbelstürmen und Rekordhitze. Eine brutale Hitzewelle im Jahr 2024 zwang landesweit Schulen zur Schließung und traf Dutzende Millionen Schülerinnen und Schüler; für 2026 erwarten Fachleute einen starken El Niño, der die Extreme weiter verschärft.

Der Schutzraum ist ein Pilotprojekt des Jameel Observatory–CREWSnet, einer Initiative, die vom Massachusetts Institute of Technology und Community Jameel mitbegründet und gemeinsam mit der bangladeschischen Organisation BRAC umgesetzt wird. Sie ging aus einem der herausragenden „Climate Grand Challenges"-Projekte des MIT hervor, das Klimaforschung in konkreten Schutz für gefährdete Gemeinschaften übersetzen will. Der Zugang wird für die am stärksten Gefährdeten priorisiert: ältere Menschen, Personen mit Atemwegserkrankungen wie Asthma, werdende und junge Mütter sowie die Schülerinnen und Schüler der Schule selbst.

Die Initiatoren verstehen das Gebäude als Vorlage, nicht als Einzelfall. Ein zweiter Pilotstandort wurde im Distrikt Jashore ausgewählt, und mit weiterer Finanzierung könnte das Modell auf mehr als 1.000 solcher Schutzräume in der Region ausgeweitet werden – ein Schritt weg vom bloßen Reagieren auf jede Katastrophe hin zur Vorsorge für die nächste.