Nach monatelangem Ringen haben sich Union und SPD auf die im Koalitionsvertrag vereinbarte große Bafög-Reform geeinigt. Für Studierende bringt das Paket höhere Sätze, verlässlichere Regeln und ein einfacheres Antragsverfahren – auch wenn ein zentraler Schritt später kommt als ursprünglich zugesagt.
Kernstück ist die Wohnkostenpauschale für alle, die nicht mehr bei den Eltern leben. Sie steigt von 380 auf 440 Euro, allerdings erst zum Sommersemester 2027 und damit ein halbes Jahr später als geplant.
Auch der monatliche Grundbedarf, der derzeit bei 475 Euro liegt, soll nach Angaben der SPD in zwei Schritten an das Grundsicherungsniveau angehoben werden: zum Wintersemester 2027/28 auf 503 Euro und zum Sommersemester 2029 auf 563 Euro. Hinzu kommen eine Dynamisierung der Freibeträge, ein schnelleres digitales Antragsverfahren sowie eine transparente Regel, mit der die Fördersätze künftig regelmäßig überprüft und an die Grundsicherung angepasst werden.
Was die Koalition betont
"Nach intensiven Verhandlungen ist es der Koalition gemeinsam gelungen, alle bereits vereinbarten Leistungsverbesserungen in voller Höhe zu sichern", sagte die stellvertretende SPD-Fraktionsvorsitzende Wiebke Esdar. Der forschungspolitische Sprecher Oliver Kaczmarek sprach von "mehr Geld, mehr Verlässlichkeit, weniger Bürokratie", die Berichterstatterin Lina Seitzl fasste zusammen: "Das BAföG wird verlässlicher, höher und einfacher." Aus der Union verwies die stellvertretende Fraktionschefin Inge Gräßle auf die wirtschaftliche Lage: Der Ausbau staatlicher Leistungen lasse sich "nicht losgelöst von der gesamtwirtschaftlichen Lage" gestalten, es bleibe eine gemeinsame Aufgabe, wieder für Wachstum zu sorgen.
Die Einigung fiel in der Nacht zum Donnerstag. Joachim Ebmeyer (CDU), Mitglied im Forschungsausschuss des Bundestags, bestätigte sie gegenüber Forschung & Lehre und rechnet damit, dass das reformierte Gesetz am 29. Juli ins Kabinett kommt und das parlamentarische Verfahren im Herbst abgeschlossen wird. Zuvor hatte die Reform monatelang auf der Kippe gestanden; Unionsfraktionschef Jens Spahn und Forschungsministerin Dorothee Bär hatten Zweifel an Erhöhungen geäußert. Dass die Wohnkostenpauschale erst später steigt, spart dem Staat Geld – der Koalitionsvertrag stellt alle Maßnahmen ausdrücklich unter Finanzierungsvorbehalt.
Verlässliche Förderung ist für viele wichtig: 2024 bezogen laut Statistischem Bundesamt rund 612.800 Menschen Bafög – der niedrigste Stand seit dem Jahr 2000, darunter 483.800 Studierende und 129.000 Schülerinnen und Schüler. Mit der nun gesicherten Reform soll die Studienfinanzierung wieder an Verlässlichkeit gewinnen.
