Zum ersten Mal bereitet Bangladesch die Rückkehr einer rehabilitierten Tigerin in die Wildnis vor. Am 4. Januar 2026 fanden Forstbeamte eine ausgewachsene bengalische Tigerin, die sich in einer Schlinge verfangen hatte – aufgestellt von Wilderern, um Rehe zu fangen. Der Fund geschah in den Sundarbans, dem riesigen Mangrovenwald an der Südwestküste des Landes. Fast sechs Monate später hat sich das Tier erholt und soll nun in den Wald entlassen werden.

Die auf zehn bis elf Jahre geschätzte Tigerin war bei ihrer Rettung in kritischem Zustand. Ihr linker Vorderlauf war schwer verletzt, Haut, Muskeln und Blutgefäße waren zerrissen, und nach dem langen Kampf in der Falle hatte sich die Wunde entzündet. Sie kam in das Khulna Wildlife Rescue and Rehabilitation Centre, wo ein fünfköpfiges Tierärzteteam sie mit Antibiotika, wiederholten Verbänden und intensiver Pflege behandelte. Bis März war die Wunde verheilt und das Fell nachgewachsen. Nach Angaben der Behörde hat die Tigerin ihre Kraft und ihre Jagdfähigkeit zurückgewonnen und wiegt inzwischen rund 90 Kilogramm.

Die Forstverwaltung will sie im Gebiet Andharmanik im östlichen Teil der Sundarbans freilassen und dafür per Boot von Khulna zu einem nahe gelegenen Öko-Tourismuszentrum bringen, bevor sie in die Freiheit entlassen wird. Da ein Satellitenhalsband nicht rechtzeitig eingeführt werden konnte, werden ihre Bewegungen stattdessen mit 20 Kamerafallen entlang eines acht Kilometer langen Waldstreifens verfolgt; die Beobachtung soll mindestens ein Jahr dauern. Kamerabilder aus dem Jahr 2024 hatten dieselbe Tigerin bereits dreimal in einem Umkreis von 40 Kilometern erfasst, sodass die Ranger ihr bevorzugtes Revier kennen.

Der Fall hat unter Fachleuten Diskussionen ausgelöst – manche gaben zu bedenken, ein älteres Tier könne sich in freier Wildbahn schwertun, oder rieten zu einer Markierung oder Haltung in einem Park. Die Behörde entschied sich dennoch für die Auswilderung und verwies auf die vollständige Genesung. Der Fall passt zu einem größeren Vorgehen gegen Wilderei: Razzien und beschlagnahmte Netze und Fallen gelten sowohl als Grund für diese Rettung als auch für die Erholung der Rehbestände, von denen die Tiger leben. Die Sundarbans in Bangladesch, gut 6.000 Quadratkilometer groß, beherbergen rund 125 dieser bedrohten bengalischen Tiger.