Stunting – wenn ein Kind wegen chronischer Mangelernährung und wiederkehrender Krankheiten zu klein für sein Alter ist – betrifft noch immer etwa jedes vierte Kind unter fünf Jahren weltweit, rund 148 Millionen im Jahr 2022. Doch wer weit genug zurücktritt, erkennt eine Geschichte bemerkenswerten Fortschritts.
Ein Team um den Wirtschaftshistoriker Eric Schneider von der London School of Economics hat den bislang längsten Blick auf das Problem zusammengetragen, veröffentlicht in BMJ Global Health. Durch die Auswertung von 923 Studien zu Körpergrößen von Kindern in 122 Ländern – manche reichen bis ins 19. Jahrhundert zurück – und deren Verknüpfung mit aktuellen Zahlen der UN rekonstruierten die Forschenden, wie Stunting über mehr als ein Jahrhundert stieg und fiel.
Der zentrale Befund macht Mut: Raten, die in heute wohlhabenden Ländern einst hoch waren, sanken im 20. Jahrhundert dramatisch. Weltweit fiel Stunting von rund 47 Prozent im Jahr 1985 auf 22 Prozent im Jahr 2022. Hohe Raten, das zeigen die Daten, sind kein Dauerzustand.
Was Japans Aufstieg verrät
Kein Fall ist eindrücklicher als Japan. In den frühen 1900er-Jahren waren mehr als 70 Prozent der japanischen Kinder von Stunting betroffen; heute fast keines mehr. Dieser Rückgang, Jahr für Jahr kartiert, liefert etwas Seltenes – eine detaillierte Landkarte, wie ein Land weitverbreiteter Mangelernährung entkommt.
Ein Großteil von Japans frühem Fortschritt kam der Studie zufolge nicht allein von besserer Ernährung, sondern vom Zurückdrängen von Infektionskrankheiten. Mit der Ausbreitung von Leitungswasser – in Tokio von etwa einem Drittel der Haushalte 1920 auf 80 Prozent bis Mitte der 1930er-Jahre – sanken die Todesfälle durch Magen-Darm-Erkrankungen deutlich. Sauberes Wasser allein könnte für ein Drittel bis fast die Hälfte des Rückgangs der Kindersterblichkeit in dieser Zeit verantwortlich sein. Die steilere Abnahme nach dem Zweiten Weltkrieg trieb dann eine bessere Ernährung.
Eine Vorlage für heute
Der Vergleich, den die Autoren ziehen, ist bewusst gewählt. Einige Länder mit heute hohen Stunting-Raten stehen ungefähr dort, wo Japan vor einem Jahrhundert stand – Burundi und Osttimor nahe Japans Niveau der 1920er-Jahre etwa. Ihr Weg nach vorn könnte sich mit Japans reimen: sauberes Wasser, sichere Sanitärversorgung, Hygiene und die Kontrolle jener Infektionen, die junge Körper daran hindern, Nahrung zu verwerten.
Die tiefere Botschaft der Daten ist einfach und ermutigend: Die Gesundheit von Kindern lässt sich innerhalb weniger Generationen verwandeln – und die Mittel dafür sind längst bekannt.